Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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FeinschnittTabak

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Ich glaube es war erst gestern („Selin misowl„), dass ich mit den Kartentags in der Kartensuche fertig war. Heute gibt es ein Rules Update und ich kann – zumindest in einigen Fällen – wieder von vorne anfangen. Der neue Rules Manager ist Matt Tabak (und nicht mehr Mark Gottlieb) und wie lange der das schon macht, stösst bei Recherchen auf der Wizardsseite immer auf unexpected Server Error. Deren Suchfunktion ist ganz schön buggy.

Jedenfalls bin ich pissed, dass mit einem neuen Rules Manager auch ein neuer Regelstil Einzug hält. Ich erwarte, dass es hierzu eine Firmenpolitik gibt und dass diese unabhängig davon, wer die Position derzeit besetzt, verfolgt wird. Und nicht, wie es jetzt den Eindruck macht, heute so und morgen anders. Hey, wir sind Europäer, wir hatten mal Monarchen, wir kennen dieses System. Und wir haben es abgeschafft.Ok, es gibt da noch die eine oder andere glorreiche Ausnahme, und wir lieben Ausnahmen.

Dero Gnaden King Tabak aber sprach: seht, wir machen es jetzt so wie ich es will.

Und so taten sie es.

Sprechen wir mal über die Functional Oracle Changes.

Zunächst wäre es mir höchst peinlich, wenn alles, was ich als Rules Manager zu tun hätte, sich darauf bezieht, Kartenregelungen zu bedenken, die niemanden interessieren. Auf dieser Seite finden sich nämlich Cocoon, Winter Orb, Phantasmal Sphere (auch eine Karte für das Orb Deck, ich weiss das nur deshalb, weil N“Orb“ert früher mal alle Orbs im Deck hatte), Rebel Informer, Mercenary Informer, Mercenaries und Master of Arms.

Von diesen sieben Karten ist gerade mal Winter Orb als relevant einzustufen. Die anderen sechs Karten sind Schrott und finden niemals den Weg in ein vernünftiges Deck. Will sagen: die spielt niemand, diese Karten sind irrelevant und vermutlich obsolet (für Mercenaries bin ich sicher, weil ich neulich danach suchte, welche Vanilla-Kreatur besser ist als die).

Da haben wir also einen Ruleskönig, der es als seine Aufgabe betrachtet, „ORB“ und „MERCENA*“ in Gatherer einzutippen und die betreffenden Karten zu ändern. Ah, „PUPA“ hat er wohl auch noch suchen müssen (pupa counter? wann traut sich mal jemand daran, die Countertypen alter Karten aufzuräumen – Time Bomb sollte keine time, sondern charge counter haben. Armageddon Clock same. Die Karten wären noch immer schlecht, aber man könnte die wenigstens mal kombinieren).

Warum bin ich jetzt angepisst? Weil wir kein Regelupdate für Cocoon brauchen. Wirklich nicht. Niemand und auch niemands drei Omas spielen nicht diese Karte. Wobei sein Update dadurch nachvollziehbar wird, dass die Karte tatsächlich einen +1/+1 Counter verwendet. Ich muss dies in den Tags dann wohl nachziehen.

Beim Tag-Setzen der alten Karten (vor etwa Tempest), die unter den Fifth-Edition-Regeln oder früher entworfen wurden, ist mir aufgefallen, dass die Designer damals selbst nicht so ganz verstanden haben müssen, was sie da tun. Das ist bei den späteren Sets nicht mehr erkennbar. Ich schweife kurz ab und gebe ein paar Beispiele. Tolaria kann bands with others im Upkeep entfernen, weil niemand wusste, wie sich das verhalten würde, wenn man es mitten im Kampf entfernt (und ich wette, das ist eine Idee, die Matt Tabak interessieren könnte – Tolaria spielt auch kein Schwein). Ausserdem haben die Karten oft so viele Nachteile, dass man sich fragen muss, wie sich die Karten damals verkauft haben müssen. Wer braucht Necropolis aus The Dark? Übrigens ein Set, dass New Phyrexia von seiner Bösigkeit sehr ähnlich sein soll, aber The Dark ist vergleichsweise niedlich in der Umsetzung durch diese ganzen „mach Schaden, aber dir auch selbst und runde beim Gegner ab und bei dir auf“ Einschränkungen. Aber das gehört ja nun nicht hier hin.

Bei Winter Orb macht sich Matt nicht mal die Mühe, eine Begründung für seine Änderung zu finden. Er hat eine Begründung angegeben? „Dass jemand die Karte hochhebt und sie liest und das anders ist als im Oracle-Text“? Genau das ist für mich eben keine Begründung, denn damit schneidet er sich drei der vier Beine seines Stuhls ab. Mit dieser Begründung ist ein Rules Manager überflüssig, denn wenn ich die Karte spielen soll, wie sie geschrieben ist (wobei diese Begründung völlig ausser Acht lässt, dass Magic damals ganz andere Regeln hatte) dann brauche ich keinen Oracle-Text. Und wenn ich kein Rulesupdate brauche, dann kann ich auch den Rulesmanager in der Pfeife rauchen.

Oh sorry, diese Formulierung wollte ich gar nicht verwenden.

Phantasmal Sphere ist dann wieder so eine überflüssige Karte. Vielleicht hat jemand sich schon Gedanken gemacht, ein Tribal-Deck um Illusionen (Link zu 68 Kreaturen des Typs ‚Illusion‘) zu spielen, was dank der skalierenden Krovikan Mist auch recht lustig ist. Hippy hat so ein Deck (meins funktionierte nicht und ist aufgelöst). Aber die Phantasmal Sphere ist überflüssig wie nur was. Viel zu langsam, eben an den damaligen Spielstil angepasst und heute nicht mehr spielbar. Aber nun bekommen wir ein Regelupdate. Wird nichts dran ändern, dass diese Karte nicht gespielt wird. Ähnliches gilt für die beiden Informer.

Wirklich gravierend wirkt der blöde Taktikwechsel bei den Rules-Updates für Master of Arms. Der wurde neulich erst mit einem Update versehen, dass die getappte Kreatur keinen Schaden im Block zufügt. So war das unter den damaligen Regeln. Diskussion über den Master of Arms gab es schon früh, denn die Sechste-Editions-Regeländerung kam ja schon relativ kurze Zeit später. Trotzdem hat sich bei der Karte immer mal wieder was geändert.

In der unendlichen Ignoranz teilt uns der Regelmonarch nun mit, dass wir den Master of Arms, genau so wie bei Winter Orb, nun spielen sollen wie er geschrieben ist. Es schwingt der Gedanke mit, dass nicht alle Karten so geändert werden können, dass sie so funktionieren wie unter den damals gegebenen Regeln.

Vielleicht ist das sogar konsequent. Beim Vertaggen habe ich mir jede einzelne Karte angesehen, die es gibt. Wirklich jede fucking einzelne Karte. Und bei einigen fällt eben auf, dass sie dieses Funktionserrata nie bekommen haben. Beispiele gefällig?

Citadel of Pain – seitdem man Länder ohne Mana Burn tappen kann, ist die Funktion der Karte stark eingeschränkt. Dasselbe gilt für Power Surge oder Monsoon. Andere Karten aus Prophecy, das dieses ‚tapped lands‘-Thema hatte, profitieren von dieser Regeländerung.

Kill-Suit Cultist – dieser Goblin hat keinen Kill-Suit mehr, er hat nur noch einen… Proximity-Suit. Eigentlich müsste er umbenannt werden. Früher konnte man seinen Kampfschaden auf den Stack legen und ihn dann opfern um eine Kreatur zu… ja, zu „killen“. Darum der Kill-Suit. Aber den hat er heute ausgezogen, seit der Combat Damage nicht mehr auf den Stack geht. Der funktioniert nicht mehr so wie gewohnt.
Auch ein paar andere Karten funktionieren nach den aktuellen Regeln nicht mehr so wie gewohnt. Man kommt sich heute doof vor, wenn man Grave-Shell Scarab opfern will – früher konnte der Käfer dabei zusätzliche vier Schaden machen, heute fehlt ihm dafür das notwendige first strike.

So gibt es also immer wieder mal Karten, die von Regeländerungen profitieren (Scoria Cat, Savannah Lions) und welche, die nicht mehr so funktionieren, wie sie gedacht waren. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob man die Regeln verändern sollte, aber das ist nun mal gegeben. Wer sich an die offiziellen Regeln halten will (und das meine ich durchaus optional) lebt damit, dass Karten nicht mehr so funktionieren wie zuvor. Und wer gegen Regeländerungen ist, hat dieses Spiel bereits verlassen.

Denn ganz objektiv betrachtet ändert jede neue Edition bereits dadurch die Regeln, wenn neue Fähigkeiten hinzu kommen (so war es jedenfalls bei den letzten fünfzig Sets). Für diese Fähigkeiten, manchmal auch für einzelne Karten (Time Stop, Mirror Universe) gibt es eigene Regelabschnitte. Im Spiel existiert dies in Verbindung mit den anderen Fähigkeiten, auch diese Interaktionen unterliegen einem Wandel. Ich kenne Spieler, die das nicht mögen und irgendwann aufgehört haben, neue Karten zu kaufen. Aber das ist nun mal die Methode, wie man ein Spiel über inzwischen mehr als achtzehn Jahre immer wieder neu und meiner Meinung nach interessant halten kann. (Das bedeutet nicht, dass es schlecht wäre, immer mit den Karten weiter zu spielen, die man sich zu Beginn seiner Spielkarriere besorgt hat. Doch das Spiel entwickelt sich eben weiter.)

Zuerst habe ich gedacht, warum man den Master of Arms nicht so umtextet, dass er die ‚Regellücke‘ (eigentlich keine Lücke sondern nur aus heutiger Sicht ungewöhnlich), die er ausgenutzt hat, mit modernem Kartentext wiedergibt. Am besten so:

Master of Arms – 2W
Creature – Human Soldier
First Strike
1W: Tap target creature blocking Master of Arms.
Prevent combat damage dealt to Master of Arms by tapped creatures blocking it.

Aber dann muss man sich wirklich die Frage gefallen lassen: Worüber reden wir hier eigentlich?! Wozu soll es ein Errata für diese Karte geben – und für dutzende andere nicht. Ausgerechnet für eine Kreatur, die auch noch first strike hat, das ist ohnehin schon spieltechnisch kaum ein Unterschied, ob ich dann noch die Blocker wegtappen kann (ja, ich verstehe, dass man Master of Arms auch mit Mercenaries blocken kann, aber diese Rechnung gilt für beide Spieler; Situationen, in denen dann ein Angriff sinnvoll sind, sind genauso selten, wie dass Banding etwas macht).

Wer spielt Master of Arms (oder Cocoon) und ist von dieser Regeländerung denn wirklich betroffen? Ist die Methode, in Frage zu stellen, ob man sich damals mit dem Errata von Master of Arms und den getappt ausgeschalteten Artefakten einen Bärendienst erwiesen hat, zu verurteilen?

Matt Tabak stellt genau das in Frage. Warum soll Master of Arms im Oracle-Text eine Änderung haben, um so zu funktionieren wie 1997. Vor allem, wenn es niemanden interessiert, weil die Karte längst niemanden mehr interessiert.

Bleibt noch der Winter Orb. Es ist strukturell dieselbe Anwendung wie beim Master of Arms und die konsequente Weiterentwicklung des Gedankens, dass Kartentexte nicht rückwirkend auf die durch die Regeln ausgelegte Spielsituation geändert werden. Und es ist nicht so, dass seit Errata, dass auf Zeiten der Sechsten-Editions-Regeländerung zurückgeht, neue Karten hinzugekommen wären – mir sind keine weiteren Beispiele solcher Funktionserrata bekannt.

Das Problem beim Winter Orb ist aber, dass er immer noch gespielt wird und im Gegensatz zu seinen Ablegern Static Orb und Howling Mine nie eine aktuelle Version mit Regeltextupdate (zwischen 1997 und 2011) erhalten hatte. Jetzt sagt uns der Regelkönig: Schnitt, spielt sie so wie gedruckt. Und wir fragen: was hat der geraucht?

Die Message ist klar: alte Zöpfe abschneiden. Das ist wohl das, was uns emotional bewegen kann. Ich lese diese Änderungen, bin dann pissed und wenn ich darüber nachdenke, dann wird mir einiges klarer. Ist seine Umkehrung der Vorgehensweise als Bruch dessen, was historisch passiert aber vielleicht nicht konsequent überlegt war, nicht eigentlich das, was einen Rules Manager auszeichnet und letztlich das, wozu man schon viel früher cochones hätte haben sollen?

Jetzt noch die Reprint Policy…

5 Kommentare

  1. Boneshredder meint:

    Ziemlich subversiv. Fängt als Rant an und mogelt sich dann zur Einsicht durch. 😉

    Im Grunde macht Matt doch ganz exakt dort weiter, wo MaGo aufgehört hat. Du stellst hier auch genau die richtigen Fragen. Da man offenbar nicht bei jeder halbwegs größeren Regeländerung durch Serien-Errata die Funktionalität jeder Karte retten kann, wird bei jeder Karte bestmöglich die Funktionalität der zuletzt gedruckten Version wiederhergestellt. Das sorgt insgesamt dafür, daß man Oracle letztlich kaum noch konsultieren muß, weil die Karten ganz genau das tun, was draufsteht, nicht mehr und nicht weniger. Super Sache, wie ich finde, und bezüglich der Übersichtlichkeit ein ziemlicher Fortschritt gegenüber den früheren un-Policies, unter denen man versuchte, den Spielwert einzelner Karten zu „retten.“

  2. atog28 meint:

    These, Antithese, Synthese

    Es ist auch zu überlegen, was mit dem „Grand Creature Type Update“ wirklich verdient wurde. Zwar haben einige Kreaturen nun Kreaturtypen bekommen, aber ohne internetfähigen Lebenspunktezähler ist es wirklich schwierig belegbar, ob ein Clockwork Swarm mit einem Swarmyard regeneriert werden darf. Oder ob ein Extinction auf den Kreaturtyp von Clockwork Swarm auch eine Emerald Dragonfly zum regenerieren zwingt („Summon Dragonfly“). Das müsste man eigentlich nochmals überdenken – dazu schrieb ich glaube ich vor drei Jahren was.

    Ausserdem ist die Frage, warum Necropolis nicht angreifen darf. Die hat nie Defender gehabt…

  3. Boneshredder meint:

    Die Necropolis „counts“ aber „as wall.“ Ich glaube, das macht da schon Sinn. Mit den Kreaturen, naja, da hast Du wohl recht. Aber da fände ich’s andersrum trotzdem doof und hoffe sehr, das bleibt jetzt so.

  4. atog28 meint:

    Vielleicht sollte man sich mal alle Regelupdates seit 1993 in einem Artikel zusammengefasst vorstellen. Das wäre ein ganz schönes Stück Arbeit, aber auch ein archivierenswerter Artikel.

    Das würde auch mit einigen Gerüchten aufräumen können, wenn es gut recherchiert ist, oder sie aber bestätigen.
    Diese „‚protection: white‘ schützt gegen Wrath of God-Geschichte“ z.B. puh, gerade aus den Anfangsjahren, wo es noch kein Internet gab, wird die Recherche etwas schwieriger.

  5. Boneshredder meint:

    Da wurde so vieles hin- und dann wiedr zurück-geändert, daß man wohl nie Vollständigkeit herstellen könnte. Eine interessante Idee für einen Artikel wäre aber, wenn man sich ein überschaubares Set von Karten herausgreifen würde, um an denen die Entwicklung der Regeln nachzuvollziehen.

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