Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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Legendary Atog #05: party, als wäre es 1995

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Dieses Kapitel behandelt die 1995 erschienenen Sets Ice Age und Homelands, sowie einiges über Deckbau – im Wesentlichen ist es also das, was ich nicht mehr in den ohnehin schon langen vorherigen Teil einbinden wollte.

Geplant zu jedem Anfang des Monats werde ich ein Stückchen Erinnerung herausgreifen und das verbloggen. Dieses wird naturgemäss eine sehr persönliche Geschichte werden, da es meine Erinnerungen sind. Der Inhalt ist nur so gut, wie ich mich noch erinnern kann. Wenn in dieser Erinnerung andere Personen vorkommen, werde ich wie ihr es von mir gewohnt seid, nur die Vornamen aufschreiben. Diese Serie wird sich nicht an einer zeitlichen Reihenfolge orientieren und die Teile werden nicht aufeinander folgen. Die einzelnen Teile werden auch unterschiedlich gross.

Deckbau (für Casual natürlich)
Deckbau war 1995 sehr einfach. Uns ist damals aufgefallen, dass es einige Karten gab, die in jedem Deck gespielt wurden. Was gibt es besseres als Casting Cost „1“? Jeder Deckbau begann mit diesen Karten:

Sol Ring, Black Vise, Ivory Tower

Wir hielten uns natürlich an die geltende Restricted-List (und demnach durfte man diese Karten nur einmal spielen). Da es sich um Uncommons handelte (Antiquities hatte auch kein Rare-Sheet :-)), gab es sie oft genug und bei „nur einmal pro Deck“ waren also immer genug da, um sie auch wirklich in jedes Deck zu quetschen. Das war zunächst mal einfach nur langweilig. Aber dann kamen immer mehr „Evergreens“ hinzu. Demonic Tutor und Regrowth zum Beispiel, und später gab es noch andere Uncommons, die man einfach unendlich oft zu haben schien. Mit zunehmender Anzahl dieser immer gleichen Karten wurde der Raum für den thematischen Unterschied der Decks immer kleiner. Ein Goblin-Deck oder ein Merfolk-Deck unterschieden sich danach nur noch in wenigen Karten.

Selbst wenn das Deck diese „Standard“-Karten, im Sinne von: standardmässig in jedem Deck, gar nicht gebrauchen musste, waren sie aber einfach immer gut. Ausserdem hatte auch nicht jeder Spieler schon begriffen, was ein Aggro und was ein Kontroll-Deck war, da Mike Flores diese Einsichten erst viel später aufschreiben würde. Sowas sprach sich unter den Casualspielern schon damals nicht rum.

Ein 60-Karten-Deck bauten wir nach allgemein vorherrschender Meinung natürlich mit der „Ein Drittel Land“-Regel. Zwei Spells, ein Land. 33% Land war in mehrfacher Hinsicht logisch, denn wenn jede dritte Karte ein Land wäre, würde das schon reichen und man würde nicht zu viel (wertloses) Land ziehen. Aus heutiger Sicht vermute ich den Ursprung dieses Anteils darin, dass Decklisten in Slots aufgeschrieben wurden. Während heutige Decklisten oft eine Aufzählung der Karten darstellen, bemühte man sich damals, möglichst wissenschaftlich auszusehen. Daher konnte man die Karten nicht einfach nur runterschreiben, sondern nahm eine Tabelle, die drei Spalten mit 20 Zeilen benutze. Übrigens gab es damals auch ein verbreitetes Formular, um Decks aufzuschreiben, die aussah, als wäre sie von einem Equipment-Blatt eines Pen-and-Paper Rollenspiels abgeleitet. In drei Spalten schrieb man jeweils zwanzig Karten untereinander.

Auf diesen Trick bin ich auch hereingefallen und auf meiner ersten Webseite zu Magic (dazu kommen wir im Detail in einem späteren Teil dieser Serie) war die Darstellung natürlich auch dreispaltig mit 20 Zeilen (oder mehr). Die rechte Spalte war für die Länder, die mittlere für die Spells und die linke Spalte für Kreaturen, so man welche spielen wollte. Sonst hatte man da eben mehr Spells. Das sieht elegant und logisch aus. Diese Darstellung war so stark verankert, dass ich die ersten Spieler, die Länder im grösseren Maßstab in die anderen Spalten füllte, nicht verstanden habe. Diese Art des 20-20-20 Splits hat sich bei einigen Spielern noch lange erhalten.

Wie das aussehen kann, dazu hier ein Screenshot des Happy Hippo Turnierdecks von 1996 (im Vergleich dazu die heutige Darstellung als Liste: Pheldageddon 95).

Die Strategie wurde anfangs nicht unbedingt von den besseren Statistikern entworfen, aber solange alle nach dieser Regel Decks bauten, waren auch alle in ähnlicher Weise screwed – oder auch nicht, weil man schon das Ziel hatte, gegnerische Black Vises umspielen und in der zweiten Runde auf vier Handkarten gehen zu können. Dafür gab’s ja auch die Manaartefakte (Sol Ring und sowas).

Was hatte ich für Decks? Grundsätzlich habe ich Decks aus dem gebaut, was ich zur Verfügung hatte. Sozusagen „Bottom-Up“ (dass sich das nicht geändert hat, ist auch ein Thema für einen anderen Artikel). Das klingt banal, aber der gegensätzliche Ansatz ist, dass man sich Karten aussucht, die man haben könnte und diese dann zu einem Deck zusammenfügt. Das kann man dann als „Top-Down“-Ansatz bezeichnen.

Bottom-Up ist also: Booster aufmachen (das bedingt sich zwar nicht, kommt aber bei dieser Strategie oft vor) und aus dem, was man da hat, ein Deck zusammenstellen. Das schliesst nicht aus, dass man sich die eine oder andere Karte antauscht, aber dies passiert dann eventuell nicht zielgerichtet. Der Entwicklungsprozess eines Decks ist im Wesentichen eine Schleife aus „Build“ – „Improve“.

Top-Down bedeutet, aus den verfügbaren Karten, die es theoretisch gibt, ein Deck konzeptionell erstellen und die dafür benötigten Karten besorgen (einkaufen oder -tauschen). Dies schliesst das Booster öffnen nicht aus, dies ist aber kein zielgerichteter Prozess und dient hierbei vorranging zum Abdecken von Commons oder Tauschmaterial. Der Entwicklungsprozess eines Decks ist im Wesentlichen eine Schleife aus „Plan“ – „Build“ – „Test“

Nach diesen unterschiedlichen Strategien habe ich die meisten meiner anfänglichen Decks „Bottom-Up“ gebaut, was auch daran lag, dass es zur Information, welche Karten zur Verfügung stehen können, in der Anfangszeit keine offiziellen Quellen gab. Wie ich schon schrieb, war es zu dieser Zeit leichter, den Print Run zu ermitteln, als eine Kartenliste eines Sets. Heute ist es umgekehrt und Daten zum Print Run als Anzahl der verfügbaren Karten gibt es schon lange nicht mehr. Die Karte Juzam Djinn lernte ich beispielsweise auch erst während der Zeit Legends/The Dark kennen, weil sich jemand das Bild auf ein T-Shirt gedruckt hatte.

Aus den anfänglichen Startern und Boostern entstand ein RG-Deck, von dem ich schon erzählte, und auch ein Deck mit Atog und Su-Chi entstand irgendwann mal. Eine tolle Combo. Wobei man den Mana Burn nicht immer gebrauchen konnte… 🙂

Blau habe ich anfangs nie verstanden, probierte diese Farbe – und natürlich auch weiss aus, wobei weiss anfangs quasi immer nur die Weenie-Strategie verfolgen konnte, da es keine Fatties in weiss gab (d.h. keine spielbaren Kreaturen mit 4/4 oder grösser). Weisse grössere Kreaturen waren immer mit einem Nachteil versehen und in anfänglichen Diskussionen hielten wir es für unmöglich, dass man ein monoweisses Deck bauen könnte. Die grösseren weissen Kreaturen wie Personal Incarnation waren eher ein Witz als tatsächlich spielbar – was aber trotzdem versucht wurde.

Von der Idee eines spielbaren weissen Highlanders war ich so überzeugt, dass ich sie unbedingt widerlegen wollte. Weiss, das waren 1/1er und 2/2er, meistens nicht mal besonders gute Karten, und es lebte von seinen Pump-Enchantments (Crusade und Jihad) und der Fähigkeit „banding“, die bereits vor ihrem Rewording so unverständlich wie -verschämt war. Blau hatte keine guten Kreaturen abseits von Mahamoti Djinn (den Serendib Efreet und andere Efreets kannten wir anfangs auch noch nicht, und Phantom Monster war natürlich schlechter als War Mammoth weil man in grün auch Giant Growth schützend draufwerfen konnte – die Logik von Anfängern ist wirklich etwas verschoben…).

Sind Sie müde oder lasch, Stream of Life hilft Ihnen rasch!

Ja, ja, und Stream of Life ist eine starke Karte.

Trotzdem tauschte ich mir über die Zeit auch zwei Serendib Djinn an. Ein 5/6 Flieger für vier Mana, für den man im Upkeep ein Land opfern musste und wenn das ein Island war, bekommt man 3 Schaden und opfert die Kreatur, wenn man keine Länder mehr hat. Wie kann man den Nachteil umspielen? In dem sich dieser Djinn in einem bunten Deck befindet, bei dem man die Manakosten über andere Wege oder über Doppelländer bezahlt. Schliesslich muss mit „Island“ ja der Name der Karte gemeint sein. Einen Basic Land Type gab es noch nicht, aber einige Spieler mit mehr Regelwissen fanden dann auch den Remindertext auf den Duals, dass die Underground Sea eben auch als Island zählten.

Regeln… Ansichtssache…

Unlimited Black

Nach diesen Anfängerfehlern entstand das erste Deck, dass ich „Top-Down“ entworfen hatte, im Januar 1995. Zwar verbinde ich das in meiner Erinnerung mit „November 1994“, aber mir inzwischen vorliegende Dokumente(!) weisen auf einen späteren Zeitpunkt hin. Ich habe beim Aufräumen wirklich noch einen Zettel mit der Deckliste gefunden.

Inspiriert von Dark Ritual und Hypnotic Specter, und dem entsprechend unfairen Start, begann ich, zunächst gedanklich, die dazu passenden Karten hinzuzufügen. Die Ursprünge dieses Decks liegen zwar auch darin, dass ich gespielt habe, was gerade da war, aber ich notierte mir auf dem Zettel auch schon eine angezielte Version. Eine, in die sich das Deck entwickeln sollte. Anfangs sah das Deck wohl noch so aus wie hier, und eine genauere Beschreibung zu dem Deck habe ich in Unlimited Black Deck bereits verbloggt, als ich den besagten Zettel wiedergefunden habe.

Unlimited Black Deck

Vintage | 10.01.1995 | atog28
Best

Main [64]
2 Royal Assassin
3 Drain Life
3 Sinkhole
1 Xenic Poltergeist
2 Paralyze
1 Demonic Hordes
2 Raise Dead
1 Meekstone
1 Underworld Dreams
1 Rag Man
1 Cursed Rack
2 Mind Twist
3 Hypnotic Specter
1 Demonic Tutor
2 Strip Mine
2 Bottomless Vault
3 The Rack
1 Sorceress Queen
15 Swamp
1 Disrupting Scepter
3 Dark Ritual
1 Worms of the Earth
1 Wand of Ith
1 Jandor’s Saddlebags
1 Kormus Bell
1 Dingus Egg
1 Howling Mine
1 Reflecting Mirror
1 Ebon Stronghold
1 Urborg
1 Maze of Ith
3 Hymn to Tourach

Info [41607]
Das Deck entstand November 1994 und ist seit 1995 nahezu unverändert. Viele Karten sind aus Beta oder Unlimited und das Deck ist ohne Sideboard und ohne Hüllen, wie man es damals spielte.

Kartentypen
22 Land (34.4%)
14 Sorcery (21.9%)
12 Artifact (18.8%)
9 Creature (14.1%)
4 Enchantment (6.3%)
3 Instant (4.7%)

Das Tauschen mit anderen Spielern hatte hauptsächlich den Zweck, die eigenen Decks zu verbessern und mit diesem Deck hatte ich einen neuen Fokus. Die Hypnotic Specter waren nicht so einfach zu beschaffen, weil sie so beliebt waren. Die Sinkhole auch nicht – denn wer hatte schon Commons dabei…

Im Wesentlichen hatte ich die Deckliste aber budgetfreundlich gestaltet. Aus heutiger Sicht: Schade eigentlich, dass ich nicht noch auf schwarze Moxe gegangen bin. Aber so war’s eben. Das Teuerste an dem Deck war Nevinyrral’s Disk, die einen enorm hohen Spiel- und damit auch Tauschwert hatte. In heutiger Zeit sieht das eventuell anders aus. Der kuriose Name der Wunderscheibe ist übrigens einfacher zu merken, wenn man weiss, dass es eine Vanity-Card ist und der SF-Autor „Larry Niven“ rückwärts geschrieben enthalten ist. Die Karte, die ich mir im Grunewald eingetauscht hatte, war jedenfalls schon sehr stark gespielt und der Auslöser dafür, dass ich dieses Deck „Vintage“ machen würde, noch bevor das ein Begriff für Mode, für veraltete Mobiltelefone oder ein Turnierformat war. Das Deck bekam, obwohl gerade Sleeves in Mode kamen, keine Kartenhüllen. Über Jahre nicht.

Den vierten Hypnotic Specter tauschte ich mir auf einer Convention ein, die ich aber nicht mehr verorten kann – es muss aber irgendwo im Ruhrgebiet gewesen sein und zu einer Zeit, in der deutsch limitiertes Produkt bereits dabei war, auszulaufen. Michael und ich waren wieder vor Ort und in einem Gang stand ein Händler, der die letzten deutsch limitierten Starter noch (extrem günstig) für zehn Mark verkauft hat. Mit meinem verbleibenden Geld habe ich mir noch zwei dieser Starter gekauft – und einen davon Jahre später bei eBay eingestellt. Wo ist eigentlich der andere – als ich dies schreibe, steht dieses Produkt bei ca. 200 EUR.

Dann kam Ice Age, das grosse Set das den heissen Sommer 1995 abkühlen sollte.

Promos

Von Ice Age erfuhr ich zuerst durch die Spielezeitschriften, in denen es ganzseitige Werbung für Ice Age gab. Zusätzlich lagen den Zeitungen auch noch Promokarten wie Norrit, Bone Shaman und eventuell auch Pyknite bei. Auch wenn „aufhören“ der Running Gag der Magic-Geschichte ist, gaben einige Ice Age Promos den Anlass, dass einige Spieler mit Magic aufhören wollten.

Zu stark?

Zu schwach?

Nein, der Grund war (angeblich) wieder eine Änderung im Layout.

New White Mana Symbol

Sowohl bei Fylgja und Prismatic Ward, die als Promos den Zeitungen beiliegen konnten, gab es eine Änderung des Manasymbols. Bei älteren Karten ist dies eine Corona um eine Sonne herum, das neue Symbol hat acht ordentlich gezackte Strahlen. Der Vergleich der beiden Symbole wird in
The History of Mana Symbols auf der Wizards-Homepage gezeigt.

Denen, die bei der Copyright-Zeile schon an der Grenze der tolerierbaren Aufregung waren, platze nun der Kragen: ein neues Manasymbol? So geht es nicht weiter. Logischer Schluss: „Magic ist tot“.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mir unsicher, ob sie recht hatten; aber inzwischen fiel es immer leichter einzuordnen, dass sie einen extrinsischen Grund für ein intrinsisches Problem suchten, um ihren fehlenden Antrieb zu verdecken – so oder ähnlich würde es ein Psychologe später mal formulieren. 🙂

Aus heutiger Sicht hat sich beim Design der Karten noch viel Bedeutenderes geändert (das ganze Layout schliesslich mit der achten Edition / Mirrodin-Block) und ich war nie so sehr vom Design angetan, sodass eine kleine Copyright-Zeile oder ein paar andere Zacken im weissen Manasymbol mir ziemlich egal waren.

Mehr zu dem Symbol und der Geschichte von Ice Age steht ausschnittweise bei An arcic Blast from the Past (WotC).

Da wir gerade bei Promos aus Zeitschriften sind: es gab auch noch Promos für die Karten der Fourth Editions. Diese hatten, abweichend von der späteren Serien-Auflage, nicht 1995 in der Copyright-Zeile stehen, sondern 1994. Einen entsprechenden 1994er Fireball als Promo nahm ich zum Anlass, um eine Seite mit Fireballs zu machen. Dass es noch weitere Versionen dieses Sets gibt, habe ich erst bei Recherchen zu diesem Artikel gefunden. Diese stehen bei Magic Libraries – Rivals Quick Start Set. In gleicher Zeit erschien noch eine ominöse „Summer Edition“ des Revised Sets, das ist aber nicht Teil meiner Geschichte.

Ice Age wurde von einigen Spielern mit Vorfreude erwartet. Einige waren auch skeptisch, aber bleiben wir bei denen mit der Vorfreude. Die versprochene Abkühlung war es nur thematisch, denn von vielen Leuten unerwartet war, dass Icy Manipulator wieder als Uncommon gedruckt wurde. Das ist deshalb erwähnenswert, weil in den Tagen vor Ice Age der Icy in etwa einem 20 Mark-Schein entsprochen hat. Schnell nach Erscheinen von Ice Age separiert die Budget-Version mit dem seltsamen Artwork dieses Lager in „mit schönem Bild und bereit, dafür mehr zu zahlen“ und in „mir egal, hauptsache es tappt“.

Ice Age begeisterte mich, denn es gab so viele neue Interaktionen und aus damaliger Sicht spielstarke Karten und Mechaniken. Mit meiner Begeisterung überredete ich auch den ThomasG, der sich nach dem Fallen Empires Debakel keine Karten mehr kaufen wollte, noch mal zu einem Display. Allerdings verlor Magic ihn mit Fallen Empires wieder. Aber vor Fallen Empires stand noch die vierte Edition (und eigentlich noch vor Ice Age).

Fourth Edition

Ice Age und Fourth Edition trafen in so kurzem Abstand auf die damalige Spielerschaft, dass der Reprint vom Icy Manipulator und der andere bedeutende Reprint von Twiddle nicht nur wegen des ähnlichen Effekts sondern auch durch das Feedback in der Bochumer Spielerunde untrennbar in meiner Erinnerung verankert sind.

Michael hatte sehr kurz vor dem Erscheinen der vierten Edition (und Ice Age) noch einige seiner Karten in Bochum verkaufen können und darunter waren auch eine Handvoll „Twiddel“. Diese waren so viel wert, dass er sechs Mark pro Karte dafür bekam. André, der diese dann eine Woche später in Fourth Edition Boostern als Common-Karte wiederfand war dann wirklich überrascht.

Solche Überraschungen waren in den frühen Tagen wirklich ein Ärgernis – vor allem für die Spekulanten, die es im deutschen Bereich (noch) nicht so ausgeprägt gab, wie das wohl in Amerika gewesen sein muss.

Chronicles

Einige Monate später kam auch noch Chronicles auf den Markt und brachte noch mehr weissrandige Karten von begehrten Karten aus Arabian Nights, Legends und Dark. Denn Chronicles war ein reines Reprint-Set und sollte ergänzend zum Core Set (das erst später so heissen wird) weitere begehrte (oder vielleicht sogar tunierrelevante Karten) in grösserer Anzahl dem Markt zuführen. Man dachte sich, der weisse Rand würde den Wert der ersten limitierten Auflage beibehalten.

Aber vielen Spielern (mir auch) war das fast egal, zumal Chronicles mit einigen Wordings aufräumte und die aktualisierte Form druckte. Gerade bei älteren Karten war das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auf den Aspekt, dass sich teilweise auch die Kartentexte inhaltlich änderten, gehe ich eventuell in einem anderen Teil dieser Serie separat ein.

Neben City of Brass, den Urza-Ländern und Blood Moon, die aus heutiger Sicht den finanziellen Erfolg (hier mal ohne Anführungszeichen) von Chronicles ausmachen, waren das aus der damaligen Sicht auch die etwas sperrigen Legends-Reprints, allen voran die Elder Dragon Legends.

Distingrate!

Im Herbst feierte Nobby seinen Geburtstag und was sonst wohl würden wir machen als Magic spielen. Also sassen Thomas, Daniel, Michael und ich bei ihm auf der Sitzgruppe und zockten.

„Will jemand Bowle?“, sprang Nobby auf und holte aus der Küche eine Flasche Vodka und eine Flasche Bananennektar. Dieser Bananennektar war schon bei den Rollenspielabenden berüchtigt, weil man ihn nicht aus der Flasche trinken könnte, ohne zwischendurch abzusetzen. Das Zeug ist so zähflüssig, das kommt immer im Ganzen aus der Flasche. Entsprechend haben wir alle abgewunken. Nobby war dann der Einzige, der die Bowle getrunken hat.

Sein Spiel wurde immer heiterer, aber irgendwann ist er dann im Sessel eingeschlafen. Das brachte uns in eine schwierige Situation – wie machen wir jetzt mit dem laufenden Spiel weiter? Eine Runde lang sind wie noch davon ausgegangen, er macht gleich wieder mit, aber dann haben wir seine Karten gestapelt und zu viert weitergemacht.

Plötzlich wacht er aber wieder auf, lehnt sich auf meine Schulter und erzählt mir irgendwas. Dann greift er sich ein paar zufällige Karten und legt einen Disintegrate auf den Tisch und lallt zu mir „Der Distingrate greift disch an!“. Ja, ja. „Der Dischtingrate!“

3 Kommentare

  1. Baldur12c meint:

    Hihi, der Artikel gefällt mir wieder, da ich unser Meta in Hechingen/Tübingen gut mit deinem vergleichen kann.
    1. Ivory Tower / Black Vise. Obwohl wir die Unterscheidung zwischen Aggro und Kontrolle auch noch nicht kannten (Thawing Glaciers und Zuran Orb hat zB auch einfach JEDER gespielt), war es bei uns eher Black Vise ODER Ivory Tower.
    Bei uns ging man dafür eigentlich schon davon aus, dass der Gegner eine Black Vise legen würde. („17, 14, 12, 11 – black vise was here.“)
    2. 33% Land gab es bei uns auch. Aber diese Sheets habe ich nie gesehen. Und wenn alle das machen, fällt dir das ja auch erstmal gar nicht auf…
    3. Bottom Up: war damals schlichte Notwendigkeit. Es gab praktisch kein Internet und natürlich auch keine Online-Händler.
    4. War Mammoth: Die Logik ist gar nicht so verkehrt. War Mammoth war besser… weil es in der besseren Farbe war. Giant Growth ist da ja nur ein Beispiel dafür. (aus deiner Sicht und mit deinen Karten hat das vermutlich sogar gestimmt.)
    5. Sinkhole Anfang 95: Okay, das ist noch ein bisschen BEVOR ich angefangen habe (Ice Age), aber mein erstes Sinkhole habe ich als Preis auf einem Turnier gesehen. Die müssen also Ende 95 Anfang 96 stark angezogen haben.
    6. Deutsch Limitiert. Als Ice Age auf den Markt kam, gab es bei uns noch jede Menge dt. Limitiert. Ich habe mich damals bei meinem ersten Display für unlimitiert entschieden, da es die gleichen Karten waren und mir der Preisunterschied 120DM gegen 155DM zu viel war. (Booster Box, wohlgemerkt!)
    7. Weißes Manasymbol: Bist du dir sicher, dass das weiße Mansymbol erst mit Ice Age geändert wurde? Ha! Jetzt fällt es mir wieder ein. Dt. Limitiert und Unlimititiert hatten definitiv auch schon das neue! Warum ich das weiß: Karten aus 4. Edition und dt unlimitiert kann man nur an einer einzigen Sache unterscheiden: Dem i-Punkt!
    8. Jahreszahlen auf Promos: Hier kann ich mit großer Empfehlung auf Mark Rosewaters Podcast „Drive to Work“ verweisen. Da gibt es eine Serie mit Jahren aus der Magic-Geschichte, da wird all dies im Detail erläutert.
    9. Neben Chronicles bitte nicht Renaissance vergessen. Praktisch der gleiche Käse nochmal auf deutsch und französisch und in schwarzem rand. Und weißt du warum? Weil es die Wizards policy war, alle Karten in einer Sprache immer zuerst mit schwarzem Rand zu drucken und alles bis The Dark wurde ja nie auf deutsch gedruckt.

  2. atog28 meint:

    Bei Ice Age gab es zwei Promos mit dem alten Mana Symbol. Fyglia und Prismatic Ward. Die haben das alte Symbol gehabt. Dann haben sie es für Ice Age geändert.
    Lt. Maros Podcast weil es dem Grafikchef nicht mehr gefiel.

  3. Baldur12c meint:

    du hast recht, ich habe sogar eine solche fyglia oder habe eine gesehen. das ändert nichts daran, dass dt unlimitiert ziemlich sicher das neue hatte

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