Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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Ich lese gerade ein Buch über Zeitmanagement. Bücher lesen geht bei mir über den sogenannten „Stack“. Ich lese auch noch Flammenschlund (oder so ähnlich) von Beckett, aber jetzt kam das Zeitmanagementbuch auf den Stack und wird zuerst gelesen. Last-in, first-out… schade… für Beckett. Romane sind eh nicht so mein Ding, aber den wollte ich schon noch lesen. Die beiden ersten Kapitel (sie sind lang) habe ich auch schon!

Zeitmanagement (wobei man das „Management“ wohl in Anführungszeichen setzen müsste, um korrekt zu formulieren) ist mir immer wichtig. Eigentlich kennt man die Ratschläge in diesen Büchern ohnehin schon, wenn man sich mit der Lebensplanung beschäftigt hat – was wohl jeder tun dürfte, sobald Zeit knapper wird als Langeweile (meine Nachfrage nach Langeweile geht auch gegen unendlich).

Einen guten Ratschlag muss ich aber beherzigen: die Werte korrekt verteilen und Zeit und Konzentration danach richten, was mir wichtig ist.

Um das zu tun, habe ich den Rosenmontag dazu genutzt, zur Abwechslung (endlich) wieder mal ins Kino zu gehen. Der Film stand schon vorher fest: Up in the Air. Läuft ja auch schon eine geraume Zeit.

Ich bin ein George Clooney-Fan (vielleicht unüblich bei Männern); ich komme mit seiner schauspielerischen Leistung gut zurecht und daher war das keine wirklich seltsame Entscheidung. Auch das Thema, dass wir aus dem Spoiler Teaser erahnten, dass es um einen Vielflieger geht, der seine 10.000.000 Meilen voll-„Fliegen“ will, sah ansprechend aus.

Jetzt, da ich ihn gesehen habe, halte ich den Film zusätzlich noch für ausgezeichnet, weil er auf einer ganz anderen Ebene wirken kann, als nur gute Unterhaltung zu sein. Es gibt genügend (kein Blog ohne dieses Wort, ich sollte es seltener verwenden) Leute, die sich „nur“ unterhalten lassen wollen. Up in the Air kann das, aber ich sehe da noch weitere Punkte, über die ich beim Reflektieren ins Grübeln kam.

Here be Spoilers
Wer den Film noch gucken möchte, springe über meine Spoilerinformationen hinweg und folge dem Link auf den nächsten wesentlichen Teil.

Das wesentliche vorweg: Ryan (George Clooney) hat einen Job, den kaum jemand machen will. Er feuert Angestellte, weil ihre Chefs diese Aufgabe scheuen und ihn dafür einfliegen lassen. Ryan erfüllt diese Tätigkeit, wie man an mehreren Stellen vor dem Wendepunkt sieht. Die Betrachterperspektive ist zunächst ganz auf seiner Seite, was sogar soweit geht, dass er nicht im Bild ist und man an seiner Stelle in den Interviews frontal auf die zu Feuernden sieht. Ich glaube, dass diese Sicht, die auch im Teaser verwendet wird, ihn als erfolgreichen Buisnessman darstellt, der Bücher schreibt und Präsentationen über seine Lebenseinstellung („What’s in your backpack?“) abhält.

Nicht die Tätigkeit an sich, aber die ausgefüllte Lebensweise und konsequente Umsetzung sind markante Signale, die dies als einen Zustand darstellen, den man sich erträumen kann. Ryan hat sich perfekt mit seiner Lebensweise arrangiert. Beziehungen zu anderen Menschen (und auch Gegenständen) nimmt er so ähnlich wahr wie in seinem beruflichen Umfeld (Szene mit der Nachbarin und dem Paket): er nimmt es unberührt zur Kenntnis. Bildet Stereotypen und kategorisiert danach – also keine Individualisierung.

Dies ändert sich, seltsam genug, mit einem Stolpersteins in Form von Natalie (Anna Kendrick), die ich zuvor nicht wahrgenommen habe und ihr die „so soll ein Sternchen promoted werden“-Rolle zuschrieb. Sie bringt Ryan durch ihre Äusserungen zum Sesshaft-sein (Freund verabschiedet sie am Flughafen, Szene am Pier über sein nicht-erwachsenes Verhalten) in eine Schräglage. Zwar wird sie wunderbar verkrampft dargestellt – dauernd dieser verbissene Gesichtsausdruck und Natalie trägt immer Buissnesskleidung um ‚ernsthafter‘ auszusehen – aber dieser Punkt wirkt auf Ryan inspirierend. Wir sehen die Einstellungen teilweise nun auch aus einer von Ryan entfernten, eher Natalie oder Alex zuzuordnenden Sicht.

Ich denke, Ryan nimmt dort ein Ziel an, dass er selbst zuvor nicht hatte: eine Beziehung zu haben, die sich auf mehr erstreckt als das, was er derzeit hat. Durch die Hochzeit seiner Schwester kippt seine Situation komplett. Deutlich wird dies dadurch, dass er statt eines Entlassungsgesprächs nun ein Einstellungsgespräch mit seinem künftigen Schwager führt, als dieser „kalte Füsse“ bekommt. Bis dahin war seine Einstellung auf seinen eigenen Nutzen ausgerichtet, nun orientiert er sich stärker daran, wie es anderen Menschen geht. Während seine ersten Entlassungsgespräche nüchtern waren, unterhält er sich im nachfolgenden mit Bob eingehender über dessen Ziele (und nicht mit den Zielen seiner Organisation: feuern und Broschüre für Crossselling hinterlassen). Er zeigt durch die rhetorische Nutzung Bobs Argument für eine Weiterentwicklung auf Basis seines Lebenslaufs nicht nur psychologische Stärke, sondern gibt Bob auch eine Perspektive. Eine wichtige Szene in meinen Augen, die in der Zusammenfassung von IMDB aus unerklärlichen Gründen weggelassen wird.

Gleichzeitig scheint Ryan diese für seinen eigenen Lebensweg verloren zu haben. In der Beziehung zu Alex, die ebenfalls als Traveller charakterisiert wird, haben beide klare Regeln aufgestellt. Mit den von Natalie inspirierten neuen Ideen will Ryan mehr von Alex als definiert und scheitert schliesslich an ihrer Frage „Was willst du, Ryan?“. Entweder ist Ryan tatsächlich ziellos, oder traut sich nicht, dieses auszusprechen – was eine Analogie zu seiner Tätigkeit ist. Ryan, der anfangs wenig Reflektion der Lebenssituation der Gefeuerten über das für seinen Job hinausgehende zu haben scheint, ist umgekehrt in seiner sozialen Lage der Gefeuerte, als er bemerkt, dass Alex nicht so lebt wie er; seine Familie hat ihn im Prinzip schon abgeschrieben, was er durch die Gästebehandlung bei der Hochzeit sogar zwei Mal klar gesagt bekommt.

Gegen Ende des Films ist seine Situation anders. Zwar konnten Natalies „fire by web“ Vorstösse nicht greifen, wodurch er seinen Job in der ihm ursprünglich angenehmen Lage fortführen könnte, aber er hat seinen Antrieb verloren. Sein Ziel – die 10 Millionen Meilen zu erreichen – findet er zufällig heraus (und nicht, wie der Ryan zu Beginn des Film es sicherlich zuvor berechnet und erwartet hätte) bei der Durchsage der Flugbegleiterin. Dieses Ziel, auf dass er sein „altes“ Leben aufgebaut hat, gibt ihm nichts mehr – ebenfalls bricht er die ihm zu Beginn des Films wichtig erscheinende Rede bei GlobalXX ab. Sein „leerer Rucksack“ holt ihn ein. Nach dem Spontanbesuch bei Alex ist sein Leben tatsächlich leer, und er erkennt es so.

Ich interpretiere, dass er nun sich auf ein sozialeres Darsein einstellen will (er will sogar Meilen an seine
Schwester übertragen, um ihr Flitterwochen zu ermöglichen; er schreibt Empfehlungsschreiben für Natalie). Er wechselt, um es mit meinem Buch über Zeitmanagement und dem Kapitel über sechs verschiedene Grundtypen von Wertevorstellungen abzugleichen, von einem Mann mit „individuellen Wertevorstellungen“ zu den „sozialen Wertevorstellungen“. Nicht auf einmal, aber immerhin erkennbar. Marion bemerkte, dass die Gespräche gegen Ende des Films keine Entlassungs- sondern eher Perspektive- oder Karriereberatungsgespräche waren – wir sind wieder in der Ich-Perspektive von Ryan. Obwohl die Personen von vorhergehenden Entlassungsgesprächen bekannt sind, bleibt offen, ob er die Position innerhalb des Unternehmens gewechselt hat um diese Betreuungsgespräche zu führen, oder ob er sich ausserhalb seiner weitergeführten Position damit beschäftigt.

Schön auch die durch den Film fliessenden „roten Fäden“ von „per SMS (oder Internet) schlussmachen“ und die kurzen Namen der Protagonisten (Natalie hat als einzige drei Silben und passt so gar nicht „dazu“, denn 80% der anderen haben einsilbige Namen – sie verweist in einer Textzeile ja explizit darauf, ihr Mann fürs Leben müsse einen kurzen Namen haben). Die Plotline ist ausserdem mit dem Mädel und dem Midlife-Mann ähnlich zu „Lost in Translation“; in beiden Filmen kommt eine Karaoke-Szene vor.

nächster wesentlicher Teil
Ursprünglich hatte ich geplant, hier meine drei überarbeiteten Decks vorzustellen, aber da ich ohnehin schon 1089 Wörter geschrieben habe, schliesse ich mich lieber dieses Themas an, da ein Themenbruch in Texten erfahrungsgemäss von Lesern nicht getragen, verstanden oder nachvollzogen werden kann.

Bleiben wir also bei den „Werten“. Und ich greife nochmal auf den Kommentar von TrashT zurück, den ich bereits mehrfach postete (so dass ich es heute bei einem Link belasse).

Ausser dem Buch von Beckett, dem Zeitmanagementbuch und anderen Schmökern lese ich auch ganz real im Internet. Beispielsweise gerne die Artikel von Abe Seargeant. Auch ein kurzer Vorname… egal. In seinem aktuellen Worldwake Decks genannten Artikel stolpere ich direkt im ersten Deck über die Combo aus Natural Order und Avenger of Zendikar. Erstgenannte Karte kenne ich, letztgenannte musste ich nachgucken. Natural Order, dass war doch: mit Elfen in der dritten Runde rausbeschleunigt um dann einen dicken Fatty zu legen und der Gegner ist gleich drauf tot. Dann guckte ich den Avenger nach… ah.. eher nicht so der Mann, den man wirklich rausbeschleunigen will. Ich meine gut, der ist 5/5, aber kann man da nicht die Uncommon in der dritten Runde legen? Mit 4/5 und einer Karte weniger in der Mischung ist das nicht weit entfernt. Die Token?! Ach, die drei oder vier 0/1 Pflanzen sind lustig, aber auch nicht wirklich unfair. Progenitus mit Natural Order, das klingt nach einem bösen Plan. Avenger of Zendikar nimmt sich dagegen aus, als würde der James-Bond-Bösewicht damit drohen, einen übel riechenden Furz abzulassen.
Kaum zu glauben, dass das MI5 dafür einen ihrer besten Agenten abstellen würde.

Was ist hier schief gelaufen?

Die Wertevorstellung. Abe hat die Ansicht, Worldwakekarten in Casualdecks zu verarbeiten. Insoweit ist ihm das mit dem Avenger und Natural Order auch gelungen. Es ist nicht perfekt, denn irgendwas stört noch die Rechnung, dass man auch viele Länder im Spiel haben sollte (und noch mehr ins Spiel legen können sollte) aber es funktioniert. Er hat einen Plan: das ist der Avenger, das ist mein Ziel und um das zu erreichen wähle ich Natural Order.
Mein gelesener Ansatz war anders. Ich las Natural Order und dachte direkt an Progenitus (oder wenigstens König der Schnitter oder was anders böses) und dann kommt er mit der auf meinem Radar als ungefährlich und langweilig eingestuften Timmy-Rare (mal ehrlich – der Avenger ist mindestens um 2/2 zu klein; der müsste 7/7 sein für die Kosten).

Als ich mich darauf eingelassen habe, dass er das Deck um den Avenger herum bauen will – dass das sein „traditioneller Wert“ ist… ok, ich sehe, ihr müsst auch dieses Buch lesen um das zu verstehen… dann ergibt sich der Rest und passt. Für Aussenstehende mit anderen Werten (aus meiner geschilderten Sicht wohl „ökonomischer Wert“) ist die Wahl des Avengers aber schwer nachzuvollziehen.

Abe ist erfahren genug, um nicht in den „so muss mein Casual sein“-Trott zu verfallen wie so viele unerfahrene Casualautoren, die man in letzter Zeit ertragen darf muss, daher fügt er noch Card Draw mit in das Deck, wobei mir die Wahl Harmonize nicht sonderlich gut gefällt, da ich Fecundity bei einer Tokenmaschine für universeller halte als das Harmonize. Zudem läge es besser in der Manakurve. Wall of Blossoms ist aber ok.

Heraus kommt mit „Many Plants Enter, Nobody Leaves“ nicht nur ein nettes Wortspiel (props) sondern ein eher langsames Deck – die wichtigste Karte in Form von Llanowar Elves fehlt und ich könnte mir bessere Interaktionen mit dem neuen Hazezon Tamar vorstellen. Flickering Realm Razers anyone?

Da könnte man gleich auch seine zweite Combo (Ruin Ghost und Glacial Chasm) einbauen, die ich aber als langweilig und zu stallfördernd finde, um sie spielen zu wollen. Zeiten, in denen ich mich auf 1/1er im Spiel verlassen habe, sind ohnehin vorbei. Klar legt man noch Shielding Plax drauf und verdoppelt dann jede zweite Runde die eigenen Lebenspunkte oder sowas, aber daran habe ich momentan nicht wirklich Spass.

Crusible of Worlds in dieses Deck zu packen ist auch irgendwie wieder der Elefant im Raum. Mit Crusible kann man viel eher auch einen Gewinnplan verfolgen als nur die Chasms zu flickern. Aber wenn man so ein Element spielt, ist auch der Knight of the Reliquary nicht weit und die Grenzen zwischen Casual und Legacy geraten ins Schwimmen…

Endgültig verlassen hat er das Casual mit dem Deck Lodestone Golem, Golem. Obwohl ich seinen Deckideen normalerweise gut folgen kann und immer auch etwas für meine Decks mitnehme – ein Mindslaver Combo Deck hat im Casual nichts zu suchen. Die Karte ist vielleicht akzeptabel, wenn man sie ohne Combo im monoblack spielt, um was gegen Enchantment zu machen (hoffentlich). Eher so auf die lustige Tour, halt so ähnlich wie bei Sorin. Aber Combo um jede Runde zu klauen? Das ist genauso wie unendliche Time Walks, das ist einfach nicht wirklich lustig für die anderen.

Ich muss es wissen, unendliche Time Walks (und -Twister) habe ich früher auch gerne gespielt, um vier oder zehn mal hintereinander dran zu sein.

Aside: witzig an der Sache war, dass wir früher diese Züge nicht wirklich umsetzen konnten da die Aggressivität der Decks niedrig war. Zehn mal hintereinander dran, dass bedeutete so was wie „ich darf jetzt zehn Mal mit Sage Owl angreifen“. Schoo-Hoo…

Jedenfalls verliert eine Mindslaver Combo (oder auch Sundering Titan) für mich das Casualprädikat per definition.
Mit anderen Werten kann das durchaus akzeptabel sein.

Brink of Disaster – Definitiv Daumen hoch bei dieser Karte als Grundlage für das letzte Deck! Hatte auch schon daran überlegt, die Findungsphase ist aber noch nicht abgeschlossen.

Was bleibt? Die Spielertypen (Timmy, Johnny, Spike) sind ein eingängiger Gedanke, der diese Wertevorstellungen begreifbar umsetzt. Mit diesen als Grundlage kann man aber deutlich mehr erklären, nicht nur in Magic. Wenn es für Ethik einen Platz im Spiel gibt, dann im Casual.

2 Kommentare

  1. Boneshredder meint:

    Wenn ich mal groß bin, will ich auch Arbeitskraftfreisetzer werden. :>

  2. atog28 meint:

    So kannst du das nicht nennen. „Rationalisierungsmanager“ oder „Kostensenkungsspezialist“ wären Ausdrücke, die derzeit durch unsere Rechtsabteilung geprüft werden.

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