Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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Telespiele

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Dieser Beitrag ist eine Antwort auf Phoenix – Expertenrunde

Wohl kaum eine Sendung hat meine jugendliche Entwicklung so geprägt, wie Telespiele, die irgendwann einmal die Montagsmaler ersetzten, die am Dienstag liefen. Telespiele kam montags, Montagsmaler einen Tag später. Nun könnte ich über die Montagsmaler und Variablenbenennungen in der Programmierung einen eigenen Essay schreiben, aber es geht um die Telespiele.

Warum gibt es diese Sendung im deutschen Fernsehen eigentlich nicht mehr? Klar, damals boomten die Telespiele (sorry, ich finde den Ausdruck einfach sooo geil, „Telespiele“. Immer wieder so lol) und wurden dann irgendwann mal durch die Computerspiele abgelöst. Man erkannte, dass man den Fernseher nicht mehr nutze, die eigenen Konsolen wurden durch Modul-futternde Konsolen und schliesslich von Heimcomputer und PC abgelöst. Irgendwo da hat das Fernsehen den Anschluss verloren.

Damit wohl auch der Rest der Welt, von unserer Generation aus gesehen. Zeitsprung weitere zehn Jahre, es gibt Internet und keine Fernsehsendung interessiert sich auch nur dafür. Warum auch – vielleicht sieht man das Internet als TV-Konkurrenz, was eventuell auch so ist. Ausser den Dinosauriern des „Computer Clubs“ im WDR, auch eine Sendung, die es nicht mehr gibt, oder den irgendwie pseudo-hippen Giga-Moderatoren kümmert sich kein Schwanz um Internet, Computerspiele oder diesen ganzen Kram.

Manchmal werden böse Viren, Phishing oder ähnliche Maschen in WiSo thematisiert. Ich lausche dann gespannt auf und werde dann doch enttäuscht: die allgemeinen Plattitüden kennt man aus jedem zweiten Forum, wer sich nur ein bisschen für Datenschutz interessiert kappiert längst, was in diesen „Informationssendungen“ angesprochen wird. Das Thema wird zwar reflektiert, aber man bleibt so knapp über der Oberfläche, dass es jeder Hensel beim Abendessen nebenbei mitnehmen und mit seinen Bild-lesenden Kollegen darüber sprechen kann.

Das wäre fast so, als würde der Artikel mit „Gefahren im Strassenverkehr“ angekündigt, man wartet gespannt den Werbeblock ab, und dann kommt so was wie „man kann überfahren werden – schauen sie vor dem Überqueren der Strasse, dass sich kein Fahrzeug nähert! Vorsicht! Neuerdings kommen die Fahrzeuge auch oft aus zwei Richtungen, sichern Sie sich hier also lieber doppelt ab!“

Eine tatsächliche Information, eine Sendung, die sich mit Computern und Internet oder eben auch den Urenkeln der Telespiele beschäftigt, gibt es nicht. Warum müssen wir uns die achtzehnte „Big Brother“-Staffel ansehen oder die „Österreichs next Topmodel“-Show nach der nächsten und keiner zockt einfach mal Super Mario Kart gegeneinander. Sowas wie Werner Schulze Erdel mal mit dem Familienduell gemacht hat, nur dass man die Wii-Controler in der Hand hat, statt sich auf die Schulter zu klopfen und „anderes Wort für ‚rot'“ zuzurufen.

Diese Konzepte sind nicht aufgegangen. Sonst gäbe es die „Telespiele“ immer noch. So wie die Montagsmaler (jetzt aber das Aside, dass „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ ja wohl die genialere Benamsung gewesen ist und die Sendung noch bis 1996 ihren letzten Zuschauer verteidigte). Aber die Bevölkerung muss dies wohl ablehnen. Wobei mich immer wieder fasziniert, dass ich mir die Zuschauerschicht des öffentlich-rechtlichen Programms ganz anders vorstelle, als das der Programmplaner. Diese reden nämlich in diesem Zusammenhang gerne von der werberelevanten Zielgruppe (d.h. 14- bis 49jährige). Laut Wikipedia eine Erfindung der Privatsender, aber auch die Ö-Re orientieren sich daran. Das glaube ich aber ganz doll.

Diese Zielgruppe ist zufällig mit Computern und Telespielen (so oft es geht wird dieses Wort benutzt!) oft genug konfrontiert. Ich kann mich wirklich nur wundern, dass wir nicht eine Entertainment-Show haben, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Nicht als Roger Willemsen-Talkshow-Variante (obwohl ich das bestimmt auch mal gucken würde) und auch nicht als Kindersendung wie die Benjamin-Blümchen-Variante. Sondern etwas im Bereich der werberelevanten Zielgruppe. Wenn ein Programmdirektor das hier verwenden möchte: go on, die Idee schenke ich dir. Mach „Telespiele 2010“. Vielleicht nicht mit Regis Philbin als Moderator, aber es gibt genug, gerade im deutschsprachigen Bereich, die diese Sendung moderieren könnten. Auch wenn ich Wohnungsumräumsendungen gerne sehe, könnte Enie van de Meiklokjes… naja, kehren wir zurück zum Thema.

1977 spielte Boris Becker Pong, zehn Jahre später gewann er Wimbeldon.

Ja, das war jetzt ein harter Übergang (wobei Pong ja in den Telespielen, um das Wort mal wieder zu nennen, gerne gespielt – quasi gebrüllt – wurde), aber das ist in etwa das, was aktuell wieder durch die Medien geistert. Diese Übertragung von unerklärbaren Verhalten auf „das Internet“ oder „die Ballerspiele“ ist sowas von krank, das ist bestimmt nicht mehr heilbar. Wer würde denn bei anderen Themen die gespielten Computerspiele als Auslöser sehen? Soll man jetzt ernsthaft behaupten dürfen, Beckers Erfolg sei darauf zurückzuführen, dass er zu Hause Pong gespielt hat und er das in Realität nachspielen wollte?

Am Ende haben alle Computerspiele irgendwie alle Menschen geprägt. Medorn hat jahrelang Railroad Tycoon gespielt, Stefan Raab hat natürlich alles gespielt, eben auch Summer Games, aber trotzdem verweigerte man ihm die Teilnahme an den olympischen Sommerspielen (warum das, wenn man doch in Summer Games schon alle Medallien abgeräumt hat mit Joystickrütteln) und AC/DC spielten natürlich immer schon Guitar Hero, noch bevor es das Ding überhaupt gab.

Klar, das sind moralisch unbedenkliche Spiele, aber sie haben was mit Counterstrike und Doom gemeinsam: sie bilden die Wirklichkeit ab. Also zuerst ist da eine Realität, und danach wird ein Computerspiel programmiert. Das gelingt teilweise nicht so ganz, sei es aus technischer Sicht wie bei Pong (ich dachte da niemals irgendwie an Tennis) oder aus inhaltlicher Sicht wie bei Counterstrike (was aber nur den westeuropäischen Bereich betrifft. Schon hinter einer Linie Ankara/Kairo kann das Ergebnis ganz anders, viel realer ausfallen – auch wenn man es hier nicht wahrnehmen will).

Bei Moral, da sind wir aber auch auf einer anderen Ebene, und einer, auf der diese Diskussion geführt werden müsste. Natürlich ist es viel einfacher, der dummen Bevölkerung – pardon – der werberelevanten Zielgruppe einen Teufel zu liefern. Noch vor ein paar Hundert Jahren, also kurz bevor es Internet gab, schob man unerklärbares Verhalten dem Teufel zu. Das war ja noch einfach. Heute, nach der Aufklärung, gibt es nicht nur Wahrheit und Aufgeklärtheit, sondern eben immer noch unerklärbares Verhalten. Nur eben keinen Teufel mehr. Dumme Sache…

Zum Glück gibt es aber Computer und das Internet. Da kann man ja die Motivsuche einstellen und sich sicher sein: da kommt das also her. Hätte man die Hexenverbrennung nicht irgendwann eingestellt, man könnte nun vier Kilo Internet und zwanzig Meter Blog auf den Scheiterhaufen werfen und öffentlich anprangernd verbrennen. Schäuble hätte seinen Spass daran.

Nun in einer alternativen Realität ginge man aufgeklärter mit der Technik um und würde sich nicht vorstellen, dass da böse Mächte am Werk sind, sondern eben sie als das betrachten, was sie ist: ein Werkzeug, dass von Menschen erschaffen wurde und von ihnen auch eingesetzt wird. So ist dann eben auch die Nutzung: von Mensch zu Mensch verschieden.

Was wir da rein interpretieren, sollten wir bei der Psychoanalyse lassen. Ein Scan der Festplatte soll diese heutzutage ersetzen? Zeige mir, was du spielst und ich sage dir, wer du bist? Dann habe ich neuerdings Angst. Mein Chef spielt auch Counterstrike, und der Abteilungsleiter liebt Autorennspiele (OMG, wann kommt wohl hierzu mal eine Raser-Parallele, oder habe ich sie nur nicht mitbekommen). Diese Spiele simulieren eine Realität, wie es auch WOW mit einer Fantasywelt tut. Vielleicht ist es gerade der Reiz, dass man bei diesen Simulationsspielen etwas ausprobieren kann, was in Realität nicht funktioniert – entweder, weil es die Realität nicht gibt oder weil man Bedenken hätte, das umzusetzen. Zum Beispiel moralische Bedenken.

Die Kultur der Computerwelt, die aus Internet, Computerspielen, Blogs und Chats besteht, wird bei der werberelevanten Zielgruppe doch genutzt – warum wird sie in der Öffentlichkeit dann so totgeschwiegen?

Im Quatsch Comedy Club gab es mal die Webpage der Woche. Elton hatte auch mal eine entsprechende Sendung im späten Nachtprogramm. Das sind doch alles nur Ansätze. Wo ist die Show, die sich aufgeschlossen mit Computern und deren Umgang und Wirkung auf die Kultur beschäftigt? Wo man über Sicherheitseinstellungen im Browser oder der Firewall genauso sprechen kann, wie auch mal eine Runde Guitar Hero oder Singstar gezeigt wird. Oder ein Bericht von der letzten Lan-Party, gerne auch mit Counterstrike oder Far Cry (hier hätten wir sicherlich mit der FSK Probleme, die RTL-Aktuell (um nicht Tagesschau sagen zu müssen) nie hatte; Realität FTW!).

Ich geh jetzt in den Keller… Gespenster jagen und Pillen essen…

4 Kommentare

  1. Michael Müller meint:

    „Computer Club“ gibt es ubrigens noch, läuft auf TV.NRW

  2. EvilBernd meint:

    Wo ist die Show, die sich aufgeschlossen mit Computern und deren Umgang und Wirkung auf die Kultur beschäftigt?

    Über PCs in dem von dir angedachten Maße im TV zu sprechen, wirkt verquer. Da ist der PC doch viel besser zu geeignet.

    Der Fernseher hat mE eh ausgedient, es dauert leider nur noch so ein, zwei Generationen, bis das alle begriffen haben.

  3. EvilBernd meint:

    Appendix: Pac-Man Dungeons!!

  4. Tigris meint:

    Naja es wurden doch schon immer die jugend und neue dinge als böse angesehen, dies passierte beim film bei comics und heute beim computer.
    Und dass sich im fernsehen mit dem Thema nicht richtig auseinander gesetzt wird, ist nicht überaschend, nichtmal an den Schulen wird dieses thema wirklich behandelt (in word einen brief schreiben oder 10 finger system tippen sehe ich nicht gerade als behandelt an)

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