Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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Unlimited Black Deck

atog28

Der heutige Eintrag behandelt ein besonderes Deck, und ein zufälliger Fund auf dem Dachboden veranlasst mich, dem Deck endlich einen Platz im Blog einzurichten. Das Unlimited Black Deck habe ich lange Zeit aktiv gespielt und es ist wohl das Deck, welches am längsten unverändert bestanden hat. Um das zu verdeutlichen, erzähle ich die Geschichte von Anfang an.

In den Anfängen von Magic – wir reden nun über die Jahre 1993 bis 1995 – gab es sehr wenige Informationen zu Magic. Das Internet war zwar schon etabliert und an den Universitäten schon im Gebrauch, aber nicht jeder hatte das zu Hause.

Entsprechend war der Austausch unter den Spielern auf den lokalen Bereich beschränkt und darüber hinaus existierten einige Zeitschriften, in denen man sich über Magic informieren konnte. Die amerikanischen (von der offiziellen „The Duellist“ über Kartenmagazine wie „InQuest“ oder „Scrye“ bis zu allgemeinen Rollenspielmagazinen „Shadis“) waren ganz klar im Vorteil.

In meiner Spielumgebung spielte man damals (wie heute) eher „Haufendecks“, deren Kartenanzahl danach variierte, wie oft ihr Besitzer die Karten eben hatte. Verfügbarkeit war damals mit ein Grund für seltsame Kartenlisten. Überregionales Handeln entdeckte ich erst etwa 1995 mit den ersten Internetauktionen (damals noch nicht bei ebay, denn das gab’s noch nicht – ein Thema für einen späteren Couchmagic-Eintrag).

Um die Decklisten zu lesen, ist es also wichtig, die im Kontext zu verstehen. Aus heutiger Sicht sehen die Listen sehr „random“ aus – und sicherlich sind sie das auch. Für die Zeit, in der alle Spieler (bis auf die, die sich überregional austauschen konnten) noch dabei waren, die Strategie zu finden und die Stärke von Strategien über die Stärke von Karten zu stellen, waren die folgenden Listen tatsächlich kompetitiv. Frei nach dem Motto: bei den anderen sieht es auch nicht anders aus.

Dachbodenfund
Der Dachbodenfund besteht in einer Klarsichthülle, in der ich zwei Zettel gefunden habe, die die Deckentwicklung dieses Decks dokumentieren. Ja, ich habe schon früh mit diesen Ideen angefangen, lange noch bevor ich meine Deckdatenbank installiert hatte. Diese Decklisten vervollständigen die Deckentwicklung in die Vergangenheit und zeigen den Entwicklungsstand am 10. Januar 1995 und am 1. Dezember 1995. Das bedeutet: ich habe meine Decklisten von vor 17 Jahren gefunden!

Januar 1995
In der gleichen Hülle sind auch noch weitere Artefakte aus dieser Zeit, die ich später präsentieren will. Nach diesem Cliffhanger aber zurück zu den Decklisten. Das Format, in denen ich sie aufschrieb, unterscheidet sich sehr deutlich von dem heutigen Format. Ich habe lange gegrübelt, was ich mir gedacht habe, als ich „3/3 Demonic Hordes, 1/1 Demonic Tutor, 0/2 Sinkhole III, 1/2 Royal Assassin“ aufgeschrieben habe. Schliesslich kam ich darauf, dass ich die Manakosten vor den Kartennamen gesetzt hatte und die Anzahl in einer Strichliste dahinter – ausser bei den 15 Swamps, die dieses Schema durchbrechen. Oh je. Was für ein Kiddie-Gekritzel! 🙂

Unlimited Black Deck

Vintage | 10.01.1995 | atog28
Best

Main [64]
2 Royal Assassin
3 Drain Life
3 Sinkhole
1 Xenic Poltergeist
2 Paralyze
1 Demonic Hordes
2 Raise Dead
1 Meekstone
1 Underworld Dreams
1 Rag Man
1 Cursed Rack
2 Mind Twist
3 Hypnotic Specter
1 Demonic Tutor
2 Strip Mine
2 Bottomless Vault
3 The Rack
1 Sorceress Queen
15 Swamp
1 Disrupting Scepter
3 Dark Ritual
1 Worms of the Earth
1 Wand of Ith
1 Jandor’s Saddlebags
1 Kormus Bell
1 Dingus Egg
1 Howling Mine
1 Reflecting Mirror
1 Ebon Stronghold
1 Urborg
1 Maze of Ith
3 Hymn to Tourach

Info [47724]
Das Deck entstand November 1994 und ist seit 1995 nahezu unverändert. Viele Karten sind aus Beta oder Unlimited und das Deck ist ohne Sideboard und ohne Hüllen, wie man es damals spielte.

Kartentypen
22 Land (34.4%)
14 Sorcery (21.9%)
12 Artifact (18.8%)
9 Creature (14.1%)
4 Enchantment (6.3%)
3 Instant (4.7%)

An diesem Deck ist besonders, dass ich es nicht von den Karten baute, die ich besass, sondern es handelt sich um das erste „Top-Down“-Design. Ausgehend von einer vorher überlegten Kartenliste habe ich das Deck darauf hingebaut. Die lange Zeit zwischen Januar und Dezember 1995 lässt mich heute darauf schliessen, dass das Eintauschen von Karten damals nicht so einfach war. Ich erinnere mich, dass es noch recht simpel war, die vier Sinkholes zu besorgen oder aktuelle Rares wie Nether Void. Aber erst mal jemanden zu finden, der eine Nevinyrral’s Disk abgeben wollte…

Ausserdem herrschte ein starker Toolbox-Gedanke vor, da einige Karten nur einmal an Bord sind. Diese Liste ist das, was ich damals gebaut habe. Auf dem Zettel ist auch erkennbar, wohin sich das Deck bewegen sollte, aber die eingeklammerten Karten habe ich nicht mehr erfasst. Immerhin hatte ich das Deck damals aufgeschrieben.

Bei der Deckstrategie gibt es einige wirklich schauderhafte Widersprüche. Der Kerngedanke von Landzerstörung und Discard läuft auf einen Denial-Plan heraus, der einen Finisher braucht. Finisher sind hier entweder Fatties (Demonic Hordes, später Sengir Vampire) oder die Discard-Combokarte The Rack. Dingus Egg und Kormus Bell halte ich für neugierige Fehlentwicklungen. Cursed Rack und Worms of the Earth waren noch recht neu und wollten getestet werden.

Was ich mir bei den Karten gedacht habe, kann ich heute leicht nicht mehr nachvollziehen. Jandor’s Saddlebags hätten mir viel zu wenig Kombinationsmöglichkeiten abseits von Royal Assassin – und mit diesem gepaart wäre Icy natürlich stärker gewesen – wäre der nicht eine unbezahlbare Out of Print Rare gewesen.

Die Entwicklung zur nächsten Stufe ist erst bei der Liste von Dezember 1995 sichtbar. Vermutilch gab es dazwischen auch noch weitere Entwicklungen, die sich eventuell aus den eingeklammerten Ausdrücken ergeben würden, aber ich habe sie, wie gesagt, nicht weiter verfolgt. Daraus ergibt sich die folgende Liste, die schon deutlich fokussierter ist.

Unlimited Black Deck

Vintage | 10.01.1995 | atog28
Best

Main [64]
2 Royal Assassin
3 Drain Life
3 Sinkhole
1 Xenic Poltergeist
2 Paralyze
1 Demonic Hordes
2 Raise Dead
1 Meekstone
1 Underworld Dreams
1 Rag Man
1 Cursed Rack
2 Mind Twist
3 Hypnotic Specter
1 Demonic Tutor
2 Strip Mine
2 Bottomless Vault
3 The Rack
1 Sorceress Queen
15 Swamp
1 Disrupting Scepter
3 Dark Ritual
1 Worms of the Earth
1 Wand of Ith
1 Jandor’s Saddlebags
1 Kormus Bell
1 Dingus Egg
1 Howling Mine
1 Reflecting Mirror
1 Ebon Stronghold
1 Urborg
1 Maze of Ith
3 Hymn to Tourach

Info [47725]
Das Deck entstand November 1994 und ist seit 1995 nahezu unverändert. Viele Karten sind aus Beta oder Unlimited und das Deck ist ohne Sideboard und ohne Hüllen, wie man es damals spielte.

Kartentypen
22 Land (34.4%)
14 Sorcery (21.9%)
12 Artifact (18.8%)
9 Creature (14.1%)
4 Enchantment (6.3%)
3 Instant (4.7%)

Dezember 1995
An diese Fassung kann ich mich noch gut erinnern, da ich sie eine längere Zeit gespielt habe. Endlich werden die richtigen Kombinationen mit Discard gespielt, beispielsweise Animate Dead. Zusammen mit den Sinkholes war Paralyze eine effektive Kreaturvernichtung. Schade, dass die Karte nie so richtig wahrgenommen wurde – die finde ich auch heute noch viel zu stark, ohne dass es aber irgendeiner bemerkt zu haben scheint. Magic ist schon manchmal komisch bei sowas…

Vier Sinkholes, vier Hippys, vier Dark Ritual und vier Strip Mines, das war bei vielen Gegnern schon ausreichend, um nicht mehr gegen mein Deck spielen zu wollen. Das Unlimited Black (später: „Tournament“) Deck entwickelte ich als striktes Denial (schon zu viel, zwei Pläne zu haben), was absichtlich etwas arschig geriet. Später kam eine Reduktion auf drei Strip Mine und Dark Ritual, um das etwas abzudämpfen – ausserdem lief das Mana im Deck damit erfahrungsgemäss besser.

Juni 1996 (circa)
Zu einem frühen Zeitpunkt, den ich in die Mitte den folgenden Jahres verorte, stellte ich die weitere Entwicklung des Decks ein. Zunächst deshalb, weil sowieso niemand dagegen spielen wollte, zum anderen, weil es ein populäres zweites Turnierformat gab, bei dem man nur mit neuen Karten spielen durfte. An dieser Stelle kurz noch was zum „Tournament“-Zusatz. Obwohl der später den Unlimited-Starter zieren durfte, durfte das Deck nie zu einem Typ-1-Turnier antreten. Das war, wie ich inzwischen zugeben kann, nur zur Einschüchterung gedacht.

Auch das Deck, dass ich danach zum Typ 2 Turnier ins Auenland trug, habe ich noch in der Form aufgehoben, wie ich es damals gespielt habe. Diese Geschichte erzähle ich aber ein anderes Mal wieder (denn ich habe nur soviele Geschichten, die ich immer wieder wiederholen muss).

Die Deckänderungen am „Unlimited Black Deck“ beschränken sich darauf, es in die Form zu bringen, die es dann für die kommenden 15 Jahre behalten sollte. Schliesslich werden auch keine neuen Unlimited Karten gedruckt, und nach Pox schaffte es keine Karte mehr ins Deck, weil sie das Konzept von LD und Discard nicht unterstützt hat. Schwarz wurde in den späteren Editionen einfach nicht mehr schwarz genug.

Unlimited Black Deck

Vintage | 16.06.1999 | atog28
Best

Main [61]
16 Swamp
3 Strip Mine
1 Urborg
1 Maze of Ith
1 Zuran Orb

2 Paralyze
1 Darkness
4 The Rack
3 Dark Ritual
1 Black Vise
1 Feldon’s Cane

4 Sinkhole
4 Hymn to Tourach
1 Demonic Tutor
2 Animate Dead
3 Drain Life
1 Order of the Ebon Hand

1 Underworld Dreams
1 Frozen Shade
1 Royal Assassin
2 Pox
4 Hypnotic Specter

1 Nevinyrral’s Disk

1 Sengir Vampire

1 Demonic Hordes

Info [16473]
Das Deck entstand November 1994 und ist seit 1995 nahezu unverändert. Viele Karten sind aus Beta oder Unlimited und das Deck ist ohne Sideboard und ohne Hüllen, wie man es damals spielte.

Kartentypen
21 Land (34.4%)
14 Sorcery (23%)
9 Creature (14.8%)
8 Artifact (13.1%)
5 Enchantment (8.2%)
4 Instant (6.6%)

Deckevolution:
-1 Will-o‘-the-Wisp
-1 Dry Spell
-1 Mind Twist
-1 Dark Ritual
-1 Minion of Leshrac
-1 Nether Void
Dry Spell war nur während der Ritterzeit sinnvoll um die Schutz-vor-Weiss-Ritter zu entsorgen. Der Mind Twist wurde glaube ich irgendwann mal restricted und daher habe ich den reduziert. Nether Void wurde verkauft, als es richtig teuer wurde (lasst mich bitte nicht sagen, was das in D-Mark bedeutet hat). Der Minion ist sowieso nicht so toll und der Willy greift kaum an.

+1 Swamp
+1 Zuran Orb
+2 Hymn to Tourach
+1 Drain Life
+1 Pox
+1 Sengir Vampire
Die reingehenden Karten kümmern sich thematisch um das Deck und der Sengir kam rein, weil es irgendein Finisher sein durfte und ich den gerade als Unlimited-Karte hatte. Lord of the Pit will man dann doch nicht haben.

Das Deck habe ich in der Form über Jahre gespielt. Immer aus dem Unlimited-Starter heraus und niemals in Hüllen. Irgendwann erreichten einige Karten aus dem Deck den Status, dass beim Ausspielen die Mitspieler fragten, wie ich diese Karten denn ohne Hüllen spielen könnte. Am Anfang war das beim Nether Void, oder auch bei der Disk oder dem Royal Assassin. Das änderte sich dann und die Frage kam bei den (Antiquities) Strip Mines. Dann bei den Sinkholes. Kurz vor dem Millenium dann bei den Beta Karten und den Hippys. Irgendwann dann bei jeder Karte, und die Geschichte beim Ausspielen des Sumpfs zu erzählen, hatte ich dann auch keinen Bock zu.

Keine Hüllen – das ist deshalb, weil es damals einfach keine Hüllen gab und niemand mit Hüllen gespielt hat. Ultra Pro brachte zwar zu dieser Zeit klare Hüllen auf den Markt, aber ich empfand es als „Vintage“, das Deck in der Form zu belassen, wie es gebaut war. Darum sind die Karten inzwischen alle als „Heavy Played“ einzustufen und haben sich damit der schon zum Antauschzeitpunkt in diesem Zustand befindlichen Disk angenähert.

Seit zwei Jahren, das bedeutet: seit dem 15.3.2010, existiert dieses Deck in dieser Form nicht mehr. Einige Karten habe ich aus dem alten Starter herausgenommen und zum ersten Mal seit sie gedruckt wurden in Hüllen gesteckt. Dort sollen sie nun ein Legacy-Deck antreiben, das ich aber auch in den zwei Jahren nicht fertig gestellt habe.

Hier noch das Bild des Decks als ich es auseinander genommen habe (Stille Ecke):

Die restlichen Karten warten immer noch in dem Starter, sehen wie ein altes Patience-Spiel aus und riechen auch so. Irgendwann wird jemand diesen Starter finden, die anderen alten Karten dazu heraussuchen – die Karten werden sich von selbst wieder zu diesem Deck zusammenfügen und dann wird das Deck weiterspielen.

3 Kommentare

  1. Teardrop meint:

    Cool.

    Richtig stark und super Deck und tolle Karten und so.
    Und keine Hüllen ist doch ok. Schlechter werden die Karten nicht mehr.

  2. Saber-Ants meint:

    ich bewundere deine Fähigkeit mehr als einen Tag mit ein und dem selben Deck zu spielen!
    Mir ist das zu langweilig!
    Ich freue mich schon auf das neue Format in 3 Wochen!

  3. atog28 meint:

    In diesem Post ist ein ähnlich behandeltes Deck. 10 Jahre ohne Hüllen gespielt.

    http://dorkening.tumblr.com/post/25799683611

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