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Abstimmungsmüdigkeit

atog28

Dieser Eintrag entstand vor einigen Tagen, ich wusste nur noch nicht, ob ich ihn fertig habe. Davon bin ich nicht überzeugt (es fehlen Törtchengrafiken meiner Meinung nach). Aber das Thema interessiert vielleicht auch nicht so, dass es sich lohnte, das zu vervollständigen. Ich gebe daher den Disclaimer.

Ein aktuelles Thema ist die derzeit stattfindende Abstimmung zum Wizards of the Coast Wettbewerb „You make the Card 4“. Dabei geht es darum, dass eine Karte, die in einem zukünftig erscheinenden Set gedruckt wird, nicht vom Design-Team entworfen wird, sondern von der (Achtung, neudeutsch!) Community. Über ein Abstimmungsverfahren werden Kartentyp und -farbe, sowie der Regeltext und auch einige geschmackliche Fragen wie Kartenname und Bild gewählt.

Wie aus dem Begriff „You make the card 4“ erkennbar, ist das bereits die vierte Abstimmung dieser Art und führte in der Vergangenheit zu den Karten Crucible of World, Forgotten Ancient und Mothdust Changeling Vanish into Memory.

„Eine tolle Sache“, sagt man erst mal, aber aktuelle Ereignisse (siehe YMTC4: Regeltext Finale) bringen mich dazu, darüber noch einmal nachdenken zu wollen.

Ich kommentierte die Newsmeldung so:

Ich überlege gerade, welchen Sinn eine Abstimmung ergibt, wenn man keinen Vorschlag einreichen kann. Dann sollten auch nur die abstimmen, die in den USA ansässig sind, oder?

Abgesehen davon ist die Spielbarkeit der YmtC integrativer Bestandteil des Kartentexts. Darum sieht es gar nicht gut aus. Ein Beweis, dass Design für Profis ist?

Diese beiden Punkte will ich jeweils etwas weiter entwickeln. Den ersten jetzt direkt in diesem Artikel. Den zweiten eventuell später. Disclaimer: eventuell sehr viel später…

Der Sinn der Abstimmung

Sorry für die „reisserische“ Überschrift, aber so steht’s nun mal in der Quelle (der Kommentar). Wer das Geschehen aufmerksam verfolgte, wird bereits aus dem Goyf-Eintrag You make the card: Kartentext Bracket und dem Kommentar von daxx98 erfahren haben. Er hielt mir vor Augen, dass die Vorschläge für den Wettbewerb nur von Bürgern der USA eingereicht werden durften (wozu aus hier nicht näher zu hinterfragenden Gründen Canada irgendwie auch dabei ist).

Ich will nicht fragen, wer dann die Community ist, die im Wettbewerb „You make the card“ mit „You“ angesprochen wird. Aber es geht schon in diese Richtung. Bei den folgenden Betrachtungen von verschiedenen Abstimmungen geht es mir nicht um Diskriminierungen, sondern nur darum, zu verstehen, welche Beziehung zwischen den Objekten in Abstimmungen herrschen können und welche davon sinnvoll sind.

W
Die Wähler in der Abstimmung nenne ich „W“. W stimmt darüber ab, was gemacht werden soll.

A, B, C
Die Vorschläge, oder Optionen, Alternativen, die zur Wahl stehen, nenne ich „A“, „B“, „C“ etc. Die Vorschläge schliessen sich gegenseitig aus, das bedeutet, dass eine Entscheidung für A auch eine Entscheidung gegen B und gegen C ist.

V
Diese Vorschläge werden von einer Gruppe vorgeschlagen, die „V“ heisst. V kann A, B und C vorschlagen.

X
Die Durchführung der Abstimmung wird von Wizards vorgenommen, die ich aus alphabetischen Gründen mit „X“ bezeichne. X sammelt die Vorschläge von V und organisiert sie so, dass W darüber abstimmt und wertet das Ergebnis aus, ob man A, B oder C macht.

Mit diesem Schema lassen sich Abstimmungen verallgemeinern. Das Thema „aktiv“ oder „passiv“ beim Wahlrecht lasse ich weg, weil es bei Abstimmungen verwirrt, bei denen A, B und C keine Personen sind, wobei man dann noch deren Beziehung zu V, W und X betrachten müsste, wenn es Personen sind.

Beim „You make the card“ Wettbewerb, in Bezug auf die Kartentexte, sieht es so aus:

You make the card

A, B, C Kartentexte
V Bürger von USA, Canada
W Leser der Seite dailymtg.com
X Wizards of the Coast

Betrachten wir zur Einstimmung aber auch noch andere Abstimmungen. Nehmen wir an, mehrere Freunde treffen sich und überlegen an der Abendgestaltung.

Abend mit Freunden

A, B, C Geplante Aktivitäten
V Freundeskreis
W Freundeskreis
X Freundeskreis

Bei dieser Abstimmung fällt etwas auf, was bei „You make the card“ nicht der Fall ist. V und W stimmen überein. Nicht nur dass, auch X ist gleich W (und damit auch gleich V). Es ist ja auch eine einfache Abstimmung. Es kann aber auch im privaten Umfeld zu Abstimmungen kommen, die nicht gleichberechtigte Partner beinhaltet. Die Soziologie nennt das wohl „Patriarchat“.

Patriarchische Abstimmung

A, B, C Zu-Bett-Geh-Zeiten
V Kind
W Eltern
X Familie

Bei dieser Abstimmung stimmen V und W nicht überein, beide sind aber Bestandteil von X. Einfacher gesagt: Kind und Eltern sind die Familie, die die Abstimmung der Zu-Bett-Geh-Zeiten durchführt. Meistens schlägt das Kind neue Zeiten vor, die aber von den Eltern ausgewählt werden.

Aber keine Betrachtung von Abstimmungen wäre komplett, wenn wir nicht noch drei öffentliche Abstimmungen betrachten.

Nehmen wir zunächst an, man führt ein Unternehmen (z.B. ein Restaurant) und will Feedback von seinen Kunden haben, wie man sich noch verbessern kann. Dafür stellt man eine herkömmliche, unbeaufsichtigte Ideen-Box auf, in die Gäste eine Postkarte mit Vorschlägen und Ideen einwerfen können. Der Restaurantleiter wertet diese Box alleine aus.

Ideen-Box beim Restaurant

A, B, C Vorschläge und Ideen
V Kunden und Gäste
W Restaurantleiter
X Restaurantleiter

Diese Abstimmung erinnert grob an das Patriarchat. W hat in dieser Abstimmung aber keine Information darüber, ob A, B und C nur von seinen Kunden stammen oder ob darunter auch Vorschläge von Gästen sind, die nur nach dem Weg gefragt haben, oder eventuell auch von Konkurrenten. Ich stelle aber gerade fest, dass A, B und C bei dieser Betrachtung inhaltlich ansonsten keine Rolle spielen. Warum also gerade hier darauf eingehen.

Papstwahl (aus wahlrecht.de)1

A, B, C Potentielle Päpste
V Männliche, katholische Christen
W Kardinäle (< 120)
X Das Konklave (?)

Wie bei der Familie komme ich jetzt wieder mit Mengenlehre. Man kann davon ausgehen, dass W Bestandteil von V ist, also alle Kardinäle auch männliche katholische Christen sind. Ob das Konklave die Wahl durchführt, dazu habe ich bisher keine verlässliche Quelle gefunden. Wenn es so ist, dann scheint weiterhin das Konklave übereinstimmend mit W zu sein. Die Wähler führen die Wahl selbst durch.

Kommunalwahl mit offener Liste (z.B. Baden-Württemberg)1

A, B, C Deutsche Bürger ab 18 Jahren, wohnt in Gemeinde
V Deutsche Bürger ab 18 Jahren, wohnt in Gemeinde
W Deutsche Bürger ab 16 Jahren, wohnt in Gemeinde
X Gemeinde oder Landkreis

Hier schliesst sich der Kreis, denn sollte ich die Kommunalwahl richtig verstanden haben – und falls nicht, findet ihr die Adresse meines Sozialwissenschaftslehrers der achten Klasse im Anhang – dann findet eine Kommunalwahl im Wesentlichen genauso statt wie die Wahl bei Wizards of the Coast.

Diese Parallelen begründen sich so:

Die grösste Menge ist W. W besteht bei YmtC aus Lesern von Dailymtg. Bei der Kommunalwahl sind es Wahlberechtigte.

Darin befindet sich eine kleinere Menge für V. Die unterscheiden sich bei der Kommunalwahl von W, wenn sie nicht 16 oder 17 Jahre alt sind. Bei YmtC sind es Leser von Dailymtg, die Bürger der USA sind. Theoretisch könnten man zwar auch dann einen Vorschlag einreichen, wenn man von dem Wettbewerb nichts erfahren hat, aber dies ist so unwahrscheinlich, dass ich es ausschliessen will (nur als Vorschlag für kommende Wettbewerbe: einfach zufällige US-Bürger bitten, als Strohmann zu fungieren). Im Wesentlichen ist die Menge V aber in W enthalten.

Innerhalb von V liegt die Menge von X, denn die Wahl für die Kommune wird von ihr selbst ausgeführt und dieses Organ ist Bestandteil von V. Bei Wizards sieht es nicht anders aus, als Herausgeber von dailymtg.com sind sie automatisch auch Leser. Bestimmungsgemäß ist dies auch in den USA ansässig.

Stimmen diese Parallelen? Ich finde es plausibel.

Warum sollte ich mich also über die Abstimmung bei Wizards aufregen, wenn ich die Wahl zur Kommunalvertretung doch in Ordnung finde? Liegt es daran, dass ich unter das fallen würde, was im öffentlichen Wahlbereich dem Ausländerwahlrecht zufallen würde? Ganz stimmt das mit dem Ausländerwahlrecht nicht überein, denn A, B und C sind dabei Personen (und stimmen mit V überein) wobei dies bei YmtC separate Objekte sind.

Mich stört bei YmtC, dass ich zwar wählen darf, aber nicht aussuchen kann, was gewählt wird (aka ich darf keine Vorschläge machen). Wie heisst es so schön: Jeder ist Ausländer, fast überall.

Zur Wahlmüdigkeit, also dem Fernbleiben vom Wahlprozess, gibt es verschiedene Annahmen. Bei Wikipedia ist im kurzen Text dazu die Gleichgültigkeit des Ergebnisses als wesentlicher Faktor verschiedener Motivationen als entscheidender Punkt dargestellt. Das lässt sich IMO nur dann anführen, wenn dies ein bewusster Prozess ist. Denkbar ist auch, dass jemand dailymtg liest, auch gerne einen Kartentext einreichen will, aber den Wettbewerb nicht mitbekommt – das dürfte aber auch eher unwahrscheinlich sein.

1 ohne Gewähr

4 Kommentare

  1. Mario Haßler meint:

    Also irgendwas ist da bei deinen Beispielen mächtig durcheinander… Zu-Bett-Geh-Zeiten in der Ideen-Box beim Restaurant? Papstwahl mit dem Restaurantleiter? Kommunalwahl nur mit männlichen, katholischen Christen?

    Zum Thema an sich: Das Problem ist meines Erachtens zum einen die Erwartungshaltung, die WotC selbst aufgebaut hat („You“ = ihr (alle)), zum anderen der unangekündigte Wechsel der Beteiligungsmöglichkeiten. So mag die eine Abstimmung mit einer Kommunalwahl vergleichbar sein, aber die anderen waren anders in diesem mehrstufigen Prozess, und das passt einfach nicht so recht zusammen.

    Die Enttäuschung hätte vermieden werden können, wenn der Prozess schon am Anfang umrissen worden wäre, inklusive der (Nicht-)Beteiligungsmöglichkeiten. So hätte man gleich darauf hinweisen können, dass bei der Abstimmung Nr. X aus irgendwelchen rechtlichen Gründen der Teilnehmerkreis eingeschränkt ist, aber davor und danach alle mitmachen können. Stattdessen Fanfaren zu „Macht alle mit!“ und plötzlich eine kleine verschämte Fußnote, die alle* vor den Kopf stößt.

    Mein Interesse ist seit diesem Schritt jedenfalls fast gänzlich verflogen, womit wir wieder beim Titel des Beitrags wären.

    * Ja, alle. So wie WotC mit „alle“ nur USA+Kanada-frongsösisch meint, darf ich Welt-USA-Kanada+frongsösisch auch „alle“ nennen. Sind sogar mehr.

  2. atog28 meint:

    Seltsame Fehler im HTML (missing closing </table>). Hätte aber nicht erwartet, dass dabei so eine Darstellung rauskommt. Sehr lustig. Jetzt muss ich aber kurz ins Restaurant… äh.. Papst wählen.

    Die Frage ist, warum mich das (immer noch) ärgern sollte, findet Magic doch schon immer nicht ausserhalb dieses Bereichs (USA/CAN) statt. Beim Fernsehen ist das auch so, aber ich glaube, die sortieren Zuschauerpost nicht nach dem Absender aus. Bei Wettbewerben schon, aber was gibt’s eigentlich zu gewinnen?

  3. Mario Haßler meint:

    Zu gewinnen gibt’s nix, insofern war das Politik-Beispiel schon der richtige Ansatz.

  4. Bernie meint:

    Ging mir genau so. In dem Moment wo bekannt war, dass nur US-Amerikaner und Kanadier Vorschläge einsenden dürfen gingen meine Augenbrauen hoch und das Interesse verloren.

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