Blog über Magic: the Gathering und Brettspiele

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Das Litfass macht zu

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Kein Scherz: diese Woche war das vorletzte und nächste Woche wird es das letzte Mal im Litfass zum Kartendrehen kommen. Zum Ende des Monats schliesst das Litfass die Türen. Zum letzten Mal.

Damit stehen wir als langjähriges Publikum vor einer Neuorientierung, doch noch gravierender ist es sicherlich für Gunnar, der seit elf Jahren ohne Urlaub eine arbeitsreiche Woche an die nächste hängt. Ich wünsche ihm für sein Fortkommen nach dem Litfass alles erdenklich Gute.


Zu Beginn direkt der Ausweichtermin: für den Mai (es wird der 6.5.) haben wir über Gunnars Nachfrage beim Wirt des „Sailor’s Pub“ ein paar Tische um Magic zu zocken. Dort soll es auch Nischen geben, auch Tische mit sechs Stühlen für Emperor. Hier die Daten kompakt zusammengestellt:

Sailor’s Pub
Alfredstr. 118 (Nähe Gruga)
45131 Essen
Tel. 779095

Mittwochs soll es da Rock von AC/DC bis ZZ Top geben sowie Chili con Carne für 3,- EUR. Wir lassen uns mal überraschen.

Die Information, dass es das vorletzte Treffen war, schlug mich schon ein bisschen zu Boden. Spontan erinnerte ich mich, wie ich das erste Mal im Litfass war. Hm. Das müsste so um 1997 gewesen sein, vielleicht auch 1996.

Auslöser waren die zweiwöchentlichen Treffen in Bochum, damals noch im Grunewald, nachdem das Coco Loco (ein spanisches Restaurant, das heute nicht mehr existiert) zu klein geworden war. Von Düsseldorf nach Bochum war immer eine kleine Weltreise. In einer Zeit, in der man noch Karten vis-a-vis tauschen konnte, lohnte sich das nur dadurch, dass die Preise für Karten – oder sagen wir lieber: die Bewertung, welche Karten nützlich sind und welche nicht – in Düsseldorf und Bochum grundsätzlich verschieden war. Aber das soll nicht das Thema sein. Irgendwann wurde Bochum zu weit und Michael (aus Neuss) konnte nicht.

Also fuhr ich einfach mal in dieses „Litfass“ von dem ich eine Woche zuvor im „Grunewald“ gehört hatte. Schliesslich ergab es sich, nicht mehr mit Düsseldorf zu alternieren (schliesslich schloss der Treff in der Altentagesstätte an der Eisenstrasse) sondern mit Essen. Anfangs also mit dem damaligen Magicspezi Michael (aus Neuss). Nicht der einzige Michael, daher mit Zusatz.

Schnell lernte man einige Leute kennen, mit denen man zocken konnte. Eric, der heute kaum noch Magic spielt, da er seit dem neuen Design keine Karten mehr kauft und inzwischen Dauergast in den Instanzen von WOW ist. Oder Thomas, damals noch Magicspieler, inzwischen durch Püppchen- (Tabletop) und Gesellschaftsspiele abgewandert, und schliesslich weggezogen. Thomas war damals, das ist ja nun knappe 13 Jahre her, zarte 16. Was für ein grosses Problem, als er zum Wehrdienst eingezogen wurde. Das war so das Ende für seine Magic-„Karriere“.

Dann war da noch der etwas verrückt wirkende Felix. Der dadurch verrückt wirkte, dass er die Regeln zwar gut verstand, manchmal aber seine eigene Einschätzung davon hatte, was sein Vorgehen betraf. Auch als befreundeter Spieler war man vor seinen Kreationen nicht sicher – schnell stand man ohne Länder, ohne Handkarten oder ohne Hose dar. Im übertragenen Sinn natürlich…. Felix kam irgendwann nicht mehr. Keine Ahnung, was aus ihm geworden ist. Eine Freundin hatte er schliesslich.

Ach, diese Vision Gift Box… um das Weihnachtsgeschäft auszunutzen, brachte man im Mirage-Block eine spezielle Box heraus, die mehrsprachige Booster enthielt und sogar einen oder zwei Booster aus der Serie, die erst zwei Monate später erscheinen sollte: Visions. Ausgepackt haben wir diese Boxen im Litfass und die, die sich die Box geholt hatten, waren natürlich die Priviligierten. Andere guckten nur neidisch, dass die Priviligierten so etwas wie eine grüne 3/2 mit Flash spielen konnten. Wow. Dass man dagegen aufgeben wollte, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehen.

In einigen Monaten spielte ich mein UW-Alltime-Casual-Deck, dass perfekt auf eine gewisse Spielweise im 2HG abgestimmt war, denn wir spielten mit 40 Leben und separaten Zügen. Gemeinsam Blocken aber einzeln angreifen. Alle Aggro-Versionen konnte man also vergessen. Jeder Blocker war direkt doppelt so gut wie im Duell. Aus dieser Zeit habe ich noch heute gewisse Strategie-Blockaden, denn tatsächlich sind Blocker nicht so gut wie ich immer denke…

Das Deck war zusätzlich noch darauf ausgelegt, die komplette Kontrolle zu erlangen, vier Armageddon und gefühlte zwanzig Wrath, dazu Time Twister und Swords to Plowshares – die Siegbedingung des Decks war es, nach unendlich vielen Rekursionen durch Time Twister den Gegner durch viermal so oft gespielte Swords keine Karten mehr im Deck haben zu lassen, so dass er „out of Cards“ geht. Ein sehr krankes Prinzip, dass sich heute zum Glück nicht mehr realisieren lässt. Den Wizards-2HG-Regeln und besseren Kreaturen sei Dank.

In dieser Zeit habe ich oft mit Michael (aus Neuss) und Eric an einem Tisch gesessen und wir haben uns wöchentlich wechselnde Opfer an den Tisch geholt. „Nur ein Spiel“ haben sie mit uns gespielt, und wenn es gut lief – Eric und Michael hatten ja auch so ähnliche Decks – lief so ein Spiel über mehrere Stunden. Rekord war wohl ein Spiel, dass von vor 17h bis nach Mitternacht lief. Immer kurz vor dem eigentlichen Kartenaus hatte irgendeiner einen Twister.
Überflüssig zu erwähnen, dass die Decks über 120 Karten hatten.

Später schrumpfte die Spielerschaft, man wurde eben bekannt. Es gab irgendwann eine Spaltung in „Turnierspieler“ und „Casualspieler“. Keine Ahnung mehr, wie das entstand, aber man konnte die Topkarten der neuen Serien gegen mehrere Booster tauschen bei denen, und die wollten auch nie mit uns spielen – falls doch, entschuldigten sie sich, sie hätten nur ein Legacy-Deck dabei und wurden im 2HG vermöbelt.

Dabei spielten wir weiter nach den Regeln der fünften Edition. Komisch eigentlich, dass die Leute das mitgemacht haben. Die „neuen“ Regeln lehnten wir lange Zeit ab, und ich weiss gar nicht mehr genau warum. Erst 1999 haben wir wohl mehr schlecht als recht die Regeln der „sechsten“ Edition gelernt. Klar, einmal den Schritt gewagt wird klar wie gut die Regeln verbessert wurden, aber daran wäre unsere Magiclaufbahn damals fast zu Grunde gegangen. Neue Regeln für das alte Spiel lernen? Warum denn…

Zu Anfang bediente Jens. Jens studierte so dies und das und später sollte ich ihm bei seinen PC-Problemen helfen, als er eine Stelle als Krankenpfleger gefunden hatte. Jens wurde von der damals 21-jährigen Nicole abgelöst, die mit wechselnden Frisuren (blau, gelb, grün, glatzköpfig) frischen Wind in die damals noch beige-braunen Litfassräume brachte. Nicole studierte auch und war Freundin vom Besitzer des Café Nord, den sie aber klar nur als Lebensabschnittsgefährten sah. Soweit ich weiss, wurde daraus aber mehr als sie sich dachte. Sie sah auch mehr leere Gläser und sorgte dafür, dass wir immer genug zu trinken und Gunnar genug in der Kasse hatte. Ein Goldstück, von allen Seiten; sie kellnerte acht Jahre… sieben.. acht…
Nach Nicole kamen zwei bis drei andere Bedienungen, von denen aber keine an die Fähigkeiten von Jens oder Nicole anknüpfen konnten. Eher ärgerlich als witzig ist bei der aktuellen Kellnerin ihre Bedienpause zwischen zehn und elf, in der man sie einfach nicht zu sehen bekommt. Aber auch das gehört bald der Vergangenheit an.

Michael (aus Neuss) hörte irgendwann auf mit Magic, ich glaube weil er sich nicht mehr dafür interessiert hat. Danach kommt die Zeit mit Felix. Nicht dem verrückten Felix, sondern dem, der Apotheker werden wollte (und das inzwischen wohl auch geschafft hat). Felix hatte auch einen Hang zu verrückten Decks, aber seine waren auch immer optimiert. Er war der erste, der sich gezielt Karten zulegte und nicht einfach baute, was er so hatte. Natürlich haben wir auch Karten gekauft oder ertauscht für die Decks. Staples.

Birds, Wraths und sowas. Aber bei ihm waren das schon eher so was wie „streamlining“ Karten. Ich erinnere mich daran, dass er Power Matrix oft spielte. Entweder, damit seine zuvor gelegten Kreaturen angreifen oder um gegnerische Kreaturen in die fast finalen Hurricane zu schicken. In dieser Weise war die Power Matrix mehrfach nützlich. So meine ich das mit dem „streamlining“. Dieses Konzept des Deckbaus hat mich damals fasziniert und halte ich auch heute noch für ein erstrebenswertes Optimum. Karten dürfen nicht nur einem Zweck dienen.

Felix dürfte heute aufgehört haben mit Magic, nach ca. 2001 habe ich ihn aus den Augen verloren. Vielleicht spielt er Poker (denn das sagt Google) oder vielleicht auch nicht – der Typ dafür ist er jedenfalls. Dann hörte ich auch auf mit Magic, überzeugt davon, mich damit acht Jahre zu intensiv beschäftigt zu haben – nicht wissend, dass noch viel intensivere Zeiten kommen sollten.

Mit dem Lifass macht etwas zu, dass einen Abschnitt in meinem Leben darstellt. Etwas, dass ich über zehn Jahre mehr oder weniger regelmässig besucht habe und womit ich viele Erinnerungen verbinde. Nun ist diese Ära am Ende, das Litfass macht zu. Gunnar, ich wünsche dir alles Gute.

7 Kommentare

  1. Teardrop meint:

    Das ist echt bitter. Gibt es denn einen anderen Grund als die Wirtschaftskrise (no pun!)? Denn gezwungen zu sein, zu diesem Entschluss, dass wäre noch bitterer.

    Ihr müsst Euch eben tatsächlich umstellen. Aber das ist auch einfach: Zu M10 kommen neue Regeln, und eben auch eine neue Location.

    Eine Anmerkung noch zu Deinen beiden letzten Casual-Haufen: Ins Samurai-Deckgehören mindestens 2 Test of Faith. Sooo gut die Karte.

    Und den Zombies fehlen gleich mal alle verfügbaren Lords!

    Schönen Gruß, Teardrop.

  2. Marc O. aus E. meint:

    Das ist natürlich eine sehr traurige Nachricht. Ich muss gestehen das ich nicht sehr oft im Litfass war, aber wenn ich mal da war hat es eigendlich immer sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es immer schwierig war bei den Casuals mitzumachen, denn meistens hatten sich schon die Gruppen gebildet und man musste ewig warten bis man irgendwo einsteigen konnte.
    Die neue Location dagegen ist evtl. für mich auch wieder ein Anreiz Mittwochs zu spielen, da ich nicht wirklich weit von da wohne. Mal sehen vielleicht verlagert sich ja mein wöchentliches Spiel von Donnerstag auf Mittwoch um, da der Phönixhort leider doch etwas Magicunfreundlich geworden ist. Da legt man mehr Wert auf die Tabletop Spieler, und für uns ist da nicht mehr wirklich viel Platz zum Karten drehen.
    Ich werde heute mal die Jungs darauf ansprechen was die davon halten Mittwochs ins Sailor’s Pub zu kommen.
    Vielleicht sieht man sich ja dann da und kann mal ein paar schöne Runden Emperor zocken, ich bringe dann auch mehr als ein Deck mit… versprochen 🙂

  3. malz77 meint:

    wo man das so liest, stellt sich dann doch die Frage, ob man nicht mal wieder einen zentralen Magictreff fürs Ruhrgebiet etablieren sollte. Hier in Dortmund gibts ja auch eine Community die sich regelmäßig trifft und das irgendwo an zentraler Stelle mit den anderen zusammenzuführen hätte ja schon etwas… Vorallem wo ich gerade Grunewald gelesen habe, wo wir ja auch ne zeitlang regelmäßig Highlander gezockt haben.

    Naja, aber zentral heißt dann wohl doch für die meisten mindestens 20km Fahrt.

  4. schwarzewolke meint:

    Mmhmm wirklich schade ist die ganze Sache mit dem Litfass,zwar war ich nie Mittwochs da zum zocken sondern eher Freitags zum Bierchen trinken 🙁
    @Marc.O
    Das Phoenixhort ist auch für längere Zeit geschlossen wegen Umbauarbeiten …

  5. Heiko meint:

    da habe ich auch vor vielen Jahren mal Turniere gespielt.

    das war 97/98, also über 10 Jahre her.

    Damals noch organisiert von Arnfried Klipper.

  6. atog28 meint:

    Dann kommt doch an diesem Mittwoch noch einmal ins Litfass. Tipp: Marc organisiert ein Abschliedsgeschenk, bitte bei ihm melden, damit ihr euch daran beteiligt. Wir haben jetzt zehn Jahre da gespielt (plus/minus je nach Nase) und ich fände das schön, wenn da was zusammenkommt. Ja, ich habe mich daran beteiligt, selbstredend…

    Am 6. Mai versuchen wir es dann im Sailor’s Pub. Ob das eine endgültige Lösung sein wird oder ob sich das zersplittert, kann man jetzt schwer sagen. Besser wäre es, dass auch die Draftspieler mitkommen, denn eine heterogene Gemeinschaft hat positive Effekte (Kartentauschen, man will auch mal draften, etc.)

  7. Teardrop meint:

    Und man will ja auch keine instabile Gruppe ^^

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